Boxen : Techno-Party in Hirschfelde: 303 Menschen fürchten die Tänzer

Sandra Dassler

Die Einwohner lasen die böse Nachricht am Sonnabendmorgen in der örtlichen Presse: Wieder einmal wird auf dem 800 Meter entfernten Flugplatzgelände Werneuchen eine Open-Air-Technoparty stattfinden. Dabei fürchten die Leute aus Hirschfelde - 303 sind es - weniger die Bum-Bum-Beschallung, als eine Belästigung durch Hunderte von Autos, mit denen die "Raver" anreisen. "Heute Nachmittag geht der Terror los", sagt Jürgen Albrecht, Gemeindevertreter und Gaststättenbetreiber in dem kleinen Ort im Landkreis Niederbarnim. "Am meisten ärgert mich und andere Einwohner aber, dass Werneuchen die Zufahrtsstraße zum Flugplatz für die Partybesucher gesperrt und damit uns den Schwarzen Peter zugeschoben hat. Die Raver müssen nun alle wie schon letztes Jahr über Werneuchen-Ost und durch unser Dorf fahren. Sie werden hier überall parken und Schäden anrichten."

Im vergangenen Jahr wurde unter anderem das Info-Häuschen vor der Gaststätte von Jürgen Albrecht zerlegt, wurden Blumenkästen demoliert und Schilder beschädigt. "Ich habe zwar eine Anzeige gegen Unbekannt aufgegeben, aber die Ermittlungen wurden eingestellt - den Schaden von etwa 1000 Mark hat mir niemand ersetzt", erregt sich Albrecht, der als Gemeindevertreter eigentlich für den Beitritt von Hirschfelde zur Großgemeinde Werneuchen im Zuge der Gemeindegebietsreform plädiert: "Aber wenn ich sehe, wie wir jetzt schon behandelt werden, dann muss man da wirklich noch einmal darüber nachdenken."

Der Bürgermeister von Hirschfelde hat bezüglich der Techno-Jünger resigniert: "Im vergangenen Jahr habe ich ein Verbot erlassen, das hat das Gericht in Frankfurt wieder aufgehoben. In diesem Jahr habe ich meine Gemeindevertreter informiert, dass das Konzert wieder stattfindet, wir aber nichts dagegen tun können. Immerhin ist es ein Einwohner von Hirschfelde, der sein Grundstück auf dem Flugplatz an die Veranstalter der Techno-Party verpachtet hat."

Besonders hart trifft die Lärmbelästigung durch Autos und Techno die 27 geistig Schwerstbehinderten in der Reha-Einrichtung Hirschfelde, meist ältere Bürger. "Wir können nur hoffen, dass die Veranstalter ihre Auflagen einhalten", sagt eine Betreuerin, "und - dass der Wind günstig steht."

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