Boxen : Therapie ins Leere

Ärztemangel im Osten: Helfen die Pläne der Bundesregierung? Brandenburgs Mediziner sind skeptisch

Thorsten Metzner

Potsdam - Brandenburgs Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) hat das von der Bundesregierung beschlossene Maßnahme-Paket gegen den Ärztemangel in Ostdeutschland begrüßt. Es biete für das Land „wichtige Ansatzpunkte“, um Engpässe in der medizinischen Versorgung abzuwenden, sagte Ziegler am Montag dem Tagesspiegel. Allerdings würden die Erleichterungen zur Niederlassung von Ärzten nicht reichen, „um den Ärztemangel in den Griff zu bekommen“. Dafür seien „langfristige Strategien“ nötig.

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburgs (KAV) sieht es kritischer. Nach ihrer Einschätzung läuft das neue Gesetz „ins Leere“ und wird kaum Effekte gegen den drohenden Ärzte-Notstand in den berlinfernen Regionen haben, in denen schon jetzt 180 Hausarzt-Praxen unbesetzt sind und 40 Fachärzte dringend gesucht werden. In keinem anderen Bundesland fehlen so viele Ärzte wie in Brandenburg, sind die Wege zur nächsten Praxis so lang wie hier.

Vorige Woche hatte das Bundeskabinett ein Gesetz von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) auf den Weg gebracht, in dem für Regionen mit Versorgungsengpässen die Bedingungen zur Niederlassung von Ärzten erleichtert werden. Als besonders wichtig für Brandenburg sieht Ziegler etwa den Passus an, wonach Klinik-Ärzte künftig auch in der ambulanten medizinischen Versorgung tätig werden dürfen – mit einer Teilzeit-Zulassung: Ärzte sollen künftig halbtags im Krankenhaus arbeiten dürfen und in der übrigen Zeit in freier Praxis, was so bislang nicht möglich ist. Langfristig führt nach Einschätzung Zieglers angesichts der demografischen Entwicklung ohnehin kein Weg daran vorbei, dass die Krankenhäuser in den strukturschwachen Regionen ambulante Aufgaben mitübernehmen müssen.

Das neue Gesetz sieht außerdem vor, dass sich in unterversorgten Regionen künftig auch Ärzte niederlassen dürfen, die älter als 55 Jahre sind. Außerdem wird die bisher geltende Altersobergrenze von 68 Jahren aufgehoben.

Schon heute geben allerdings viele Ärzte mit 61 Jahren ihre Praxen auf, sagt dagegen Ralf Herre von der Kassenärztlichen Vereinigung (KAV). Dass eine Anhebung der Altersgrenze helfe, sei daher ein „Hirngespinst“. Skeptisch ist die KAV auch, ob sich mehr Berliner Ärzte in berlinfernen Regionen niederlassen, wenn jetzt erstmals Zweit-Praxen in anderen Bundesländern erlaubt werden. Es sei unrealistisch, dass ein Arzt in Berlin praktiziert und nebenbei in der Uckermark, sagte Herre. „Im Berliner Umland ist das sicher kein Problem. Aber da fehlen keine Ärzte.“ Die Hauptkritik am Gesetz ist aber eine andere: Es setze nicht am eigentlichen Problem an – der chronischen Unterfinanzierung der ambulanten Praxen.

Die KAV hat ihre eigenen Erfahrungen gemacht, wie schwierig es ist, Ärzte zur Niederlassung auf dem flachen Land zu bewegen – etwa mit Umsatz-Garantien. „Das funktioniert nur in bescheidenem Maße“, sagt Herre. Bisher hätten 12 Ärzte dies beantragt, zwei inzwischen aber schon wieder aufgegeben. „Die anderen werkeln vor sich hin.“ Dafür steht die KAV Plänen Zieglers offen gegenüber, die Gemeindeschwester aus DDR-Zeiten wiederzubeleben. „Das könnte Landärzte entlasten.“ Manchen Hausbesuch, bei dem Verbände gewechselt oder Spritzen gegeben werden, könnte auch eine qualifizierte Schwester übernehmen.

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