Boxen : Tödliche Legionellen: Klinik hatte Erreger schon öfter im Haus

Nachdem Anfang Juli zwei Patienten an der Legionärskrankheit starben, wird dem Gesundheitsamt vorgeworfen, die Fälle verschwiegen zu haben

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder). Der aktuelle Ausbruch der gefährlichen Legionärskrankheit ist nicht der erste im Frankfurter Klinikum: Laut einem internen Protokoll des Gesundheitsamtes, das dem Tagesspiegel vorliegt, war die durch aggressive Legionellen ausgelöste Krankheit schon zwischen dem 5. Dezember 2002 und dem 5. Januar 2003 im erst kurz davor eröffneten Bettenhaus der Psychiatrie festgestellt worden. Damals erkrankten sieben Patienten, eine Frau starb. Jedoch sollen Legionellen nicht die Todesursache gewesen sein.

Schon bei dem früheren Ausbruch galt der Wasserkreislauf des Bettenhauses als Heimstatt der aggressiven Bakterien. Eine Behandlung mit Chlor und heißem Wasser sollte abhelfen. Nach dem Austausch der Duschköpfe wurde laut Protokoll die „akute Situation als beendet angesehen“. Alle drei Wochen werden seitdem Wasserproben genommen. Gestern blieb rätselhaft, wie sich die Legionellen trotz der angeblichen Vorkehrungen erneut vermehren konnten.

Von dem neuen Ausbruch der Krankheit im örtlichen Klinikum hat das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt (Oder) laut Protokoll bereits am 1. Juli erfahren. Fünf und neun Tage später starben eine 66 und eine 73 Jahre alte Frau an den Folgen einer durch Legionellen hervorgerufenen Lungenentzündung. Zwei weitere erkrankte Personen werden zurzeit mit Antibiotika behandelt. Bekannt wurden die Todes- und Krankheitsfälle erst am vergangenen Montag durch einen Hinweis an die Presse. Auf Anfrage bestätigte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) Ermittlungen gegen leitende Klinik-Mitarbeiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Eine bei der Behörde Mitte des Monats eingegangene anonyme Anzeige – sie soll aus Kreisen des Klinikpersonals stammen – hatte die Nachforschungen ausgelöst. Darin war sogar von sechs Patienten die Rede, die an den Folgen der Legionellen-Erkrankung gestorben seien. Das Frankfurter Gesundheitsamt bestätigte gestern lediglich die zwei Toten aus der ersten Juli-Hälfte.

„Sofort nach dem Eingang der Meldung über die ersten Krankheitsfälle am 1. Juli ordnete das Gesundheitsamt umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen an“, sagte die für das Amt verantwortliche Frankfurter Bürgermeisterin Katja Wolle. „In meiner ersten Aufregung wollte ich sogar das ganze Klinikum sperren, bevor mich Fachleute aus dem Gesundheitsamt beruhigten. Sie hielten eine Totalsperrung für unnötig.“ Nur die Warmwasserversorgung des neuen Bettenhauses der Psychiatrie des Klinikums sei schließlich als Herd der Erreger ausgemacht worden. „Wir sprachen für den gesamten Gebäudetrakt Duschverbot aus, ließen in allen 22 Bädern Sterilfilter vor die Armaturen montieren und eine chemische Reinigung des gesamten Wasserkreislaufes vornehmen“, sagte Wolle. „Wir prüfen jetzt, ob die Anordnungen auch eingehalten wurden.“ Klinikmitarbeiter, die allerdings anonym bleiben wollten, bezweifelten dies gestern.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Florian Engels, wies Vorwürfe zurück, wonach die Öffentlichkeit über den Ausbruch der Krankheit zu spät informiert worden sei: „Es bestand für die Bevölkerung keine Gefahr und damit keine Pflicht zur Meldung an die Medien.“ Die Staatsanwaltschaft stellt sich auf lange Ermittlungen ein: „Wir müssen prüfen, ob die weiteren vier in der Anzeige gemeldeten Todesfälle tatsächlich auf die Legionärskrankheit zurückzuführen sind“, sagte ein Sprecher.

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