• Tödlicher Unfall auf dem Lausitzring: Bei Tempo 300 ausgebrochen und mehrfach überschlagen

Boxen : Tödlicher Unfall auf dem Lausitzring: Bei Tempo 300 ausgebrochen und mehrfach überschlagen

Claus-Dieter Steyer

Nach dem tödlichen Unfall des italienischen Rennfahrers Michele Alboreto auf dem Eurospeedway Lausitz haben gestern Staatsanwaltschaft und Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Mit einem Ergebnis wird erst in Tagen oder Wochen gerechnet. Der 44-jährige Alberto war am Mittwochnachmittag auf der Teststrecke mit einem Audi R 8 400 Meter vor der Südkurve bei mindestens Tempo 300 von der Fahrbahn abgekommen und anschließend durch die Luft geschleudert. Das Auto landete auf dem Dach. Für den Vize-Weltmeister der Formel 1 von 1985 kam jede Hilfe zu spät. Das Audi-Werksfahrer-Team, für das der erfahrene Pilot seit einigen Jahren arbeitete, sagte alle weiteren Tests auf dem Lausitzring vorerst ab. Alboreto ist das erste Todesopfer auf dem im August 2000 eröffneten Eurospeedway.

Der Tod des Audi-Piloten löste in der internationalen Motorsport-Szene große Trauer und Bestürzung aus. "Ein tragischer Unglücksfall. Schrecklich. Ich war geschockt, als ich davon hörte. Meine Gedanken sind bei seiner Familie", sagte Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher am Donnerstag in einer ersten Reaktion auf den tödlichen Unfall des Italieners. Grafik: Die Unfallstelle auf dem Lausitzring Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten auf der Teststrecke, die sich außerhalb des eigentlichen Grand-Prix-Kurses befindet, gute Bedingungen. Die Fahrbahn war trocken. Allerdings näherte sich eine Niederschlagsfront mit starkem Wind. Gegen 17.30 Uhr meldete ein Streckenposten den Unfall beim medizinischen Zentrum. "Er sah ein Fahrzeug durch die Luft fliegen", sagte Lausitzring-Geschäftsführer Hans-Jörg Fischer. Innerhalb von einer Minute sei der Rettungswagen an Ort und Stelle gewesen, kurze Zeit später der Hubschrauber. "Doch Michele Alboreto hatte sich alles gebrochen, was man sich nur denken kann. Es bot sich ein grauenvoller Anblick."

Der gebürtige Mailänder kannte das Lausitzring-Testoval bereits von Testfahrten im vergangenen September und Oktober. Er habe zu den erfahrensten Werksfahrern gehört, hieß es vom Audi-Team. Der frühere Formel-1-Fahrer hinterlässt Ehefrau Nadia und die Töchter Alice und Naomi. Die Flaggen rund um die Strecke konnten aus "technischen Gründen" nicht auf Halbmast gesetzt werden, erklärte Eurospeedway-Pressesprecher Christian Hammerich. Das sei bei der Konstruktion der Fahnenstangen nicht vorgesehen worden.

Nach Angaben Fischers testeten die Marken Audi und Bentley seit Montag für das 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans. Die 2,3 Kilometer lange Gerade des Lausitzringes biete "optimale" Verhältnisse, um sich auf die berühmte Hunaudiers-Gerade einzustellen. Etwa 400 Meter vor der Südkurve, wenn die Rennboliden "nahe der Höchstgeschwindigkeit" seien, sei Alboretos Wagen "in die Luft aufgestiegen", über die Dreifachleitplanke geflogen und "total zerstört" auf dem Dach liegen geblieben. "Sein Tod trifft mich hart und macht mich sehr, sehr traurig", erklärte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. "Michele hat nie aufgehört zu fahren. Er wurde von einer ununterdrückbaren Leidenschaft angetrieben." Für Ferrari war Alboreto fünf Jahre lang gefahren, 1985 war er mit der "Scuderia" Vizeweltmeister geworden. Mit insgesamt 194 Grand-Prix-Einsätzen war er einer der routiniertesten Formel-1-Piloten. In der Rangliste der Fahrer mit den meisten Formel-1-Rennen belegt Alboreto Platz sechs.

Die Unfallstelle am Lausitzring wurde weiträumig abgesperrt, damit Spezialisten ungestört ihre Ermittlungen fortsetzen konnten. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Obduktion der Leiche an. Nach ersten Angaben hatte Alboreto einen Schädelbasisbruch und eine Fraktur des Brustwirbels erlitten. Das Wrack des Wagens wurde in eine Box gegenüber der Haupttribüne geschleppt. Das Auto habe in der Saisonvorbereitung auf verschiedenen Strecken bereits Tausende von Testkilometern ohne Probleme überstanden, hieß es in einer Pressemitteilung des Ingolstädter Automobilherstellers Audi.

Der Unfallort befindet sich am Ende einer 2,3 Kilometer langen Gerade, an die sich eine überhöhte Kurve anschließt. Wie Fotos aus einem Hubschrauber zeigten, lag das nicht mehr als Audi erkennbare Auto direkt neben der Strecke hinter einer rund einen Meter hohen Metallbarriere mit den Rädern nach oben. Auf den Asphalt hatten sich zwei tiefe Spuren eingeschrieben, die wahrscheinlich beim Schleudern entstanden waren. Bremsspuren waren nicht zu erkennen.

Lausitzring-Geschäftsführer Fischer ging davon aus, dass das Unglück nichts mit der Strecke zu tun habe. "Wir sind der sicherste Kurs der Welt. Das hat uns gerade erst die Internationale Motorsportföderation bestätigt", sagte Fischer. "Irgendwann mussten wir mit dem ersten tödlichen Unfall rechnen." Ein von der Betreibergesellschaft bestellter Kranz zu Ehren des verunglückten Fahrers konnte wegen der Streckensperrung gestern nicht abgelegt werden.

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