Tourismus : Schöner aussteigen

Tourismus-Anbieter fordern gepflegtere Bahnhöfe. Bei verbesserten Nahverkehrsangeboten und ansprechendem Service würden sie mit höheren Gästezahlen rechnen.

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Ein Drittel aller touristischen Anbieter in Brandenburg verzichten auf ihren Flyern und Internetseiten auf jegliche Hinweise zum öffentlichen Personennahverkehr. „Dabei sind die Verbindungen mit Bahn und Bussen oft gar nicht schlecht“, sagte Olaf Lücke von der Industrie- und Handelskammer (IHK) am Mittwoch auf einer Tourismuskonferenz in Potsdam. Aber die Hoteliers wollten sich angesichts des oft erbärmlichen Zustands der Bahnhöfe nicht blamieren und wollten dort auch keinen Gast ein- und aussteigen lassen. Der IHK-Mitarbeiter berief sich auf eine Umfrage unter rund 250 Unternehmen der Tourismusbranche, darunter Hotels und Pensionen, im Oktober und November. Dabei gaben 33 Prozent aller Befragten an, dass sie bei verbesserten Nahverkehrsangeboten und ansprechendem Service mit höheren Gästezahlen rechnen würden.

„Weite Teile der Politik haben noch nicht erkannt, welchen entscheidenden Standortvorteil ein funktionierender Nahverkehr darstellt“, sagte Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Deshalb gebe es aus seiner Sicht einen einfachen Weg: „Die Stationsbenutzungsgebühr, die die Deutsche Bahn vom VBB kassiert, muss künftig den Gemeinden oder einem Serviceunternehmen zustehen“, sagte Franz. Es handele sich um Beträge zwischen 20 000 und 60 000 Euro selbst für kleine Bahnhöfe, und mit dem Geld könnten die Stationen wirklich zu einem Aushängeschild werden. „Bis jetzt haben wir aber den Eindruck, dass sich die Bahn nur um die großen Bahnhöfe kümmert.“

Derzeit nutzen nur rund zehn Prozent der Touristen für ihre Fahrt nach Brandenburg die Bahn. Das sind drei Prozentpunkte weniger als 1999. Dabei sind 87 Prozent aller touristischen Ziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Gerade in Berlin, wo weniger als 50 Prozent aller Haushalte einen Pkw besitzen, sehen Tourismusexperten ein großes Potenzial. „Das ist ein exzellenter Quellmarkt, der durch die wachsende Zahl von unternehmungslustigen und kaufkräftigen Senioren noch an Bedeutung gewinnt“, sagte Daniel Dettling vom Trendforschungsunternehmen Zukunftsinstitut. Ab April gilt für diese Gruppe auch das Seniorenticket, das für monatlich 45 Euro in ganz Berlin und Brandenburg gilt. „Wenn sich der Service vor Ort noch verbessert, ist das ein einmaliges touristisches Förderprogramm“, sagte VBB-Chef Franz. Claus-Dieter Steyer

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