Boxen : Träume einer Prinzessin

Eine neue Ausstellung über Cecilie von Hohenzollern

Helmut Caspar

Potsdam. Als sich 1904 der älteste Sohn Kaiser Wilhelms II. mit der mecklenburgischen Prinzessin Cecilie verlobte, schien eine große Zukunft vor den beiden zu liegen. Wilhelm würde seinen Vater beerben und Cecilie als deutsche Kaiserin und Königin von Preußen glänzen. Doch der Traum vom Glück war bald vorbei. Nach dem Sturz der Monarchie 1918 flohen der Kaiser und Kronprinz Wilhelm in die Niederlande, Cecilie blieb mit ihren sechs Kindern in Potsdam.

Ab heute ist im Marmorpalais am Heiligen See eine Ausstellung über das Leben der letzten deutschen Kronprinzessin Cecilie zu sehen. „Ihr Leben sollte für uns heutige Frauen ein Beispiel dafür sein, wie eine Frau versuchen kann, auch mit Umbrüchen zu leben und unter schwierigen Bedingungen ihr Leben selbst zu gestalten und sich für andere zu engagieren“, sagte Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Eröffnung am Sonnabend.

Die Schau der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zeigt 300 Exponate, darunter Gemälde und Fotografien, Briefe und Dokumente aus privaten und öffentlichen Archiven, dazu Teile des Hochzeitsservices und Schmuck. An einer Hörstation kann man Tagebucheintragungen von Cecilie lauschen. Anlass für die Ausstellung ist Cecilies 50. Todestag.

Das Marmorpalais diente dem Kronprinzenpaar in seinen besten Jahren als Residenz. Cecilie erscheint als feinsinnige, couragierte und dazu schöne Frau. Dunkle neugierige Augen schauen aus den Bildern, nur selten erkennt man ein leichtes Lächeln. Haltung war eben alles, Gefühle wurden nicht gezeigt. Von der stets elegant gekleideten Kronprinzessin, heißt es, sie sei der „einzige Mann“ unter den Hohenzollern gewesen.

Auch nach 1918 blieb Cecilies Lebensstil anspruchsvoll, wie die gezeigten Bilder und Dokumente zeigen, auch in der Weimarer Republik. Die kaiserliche Hoheit gebot über Hofmarschälle und Lakaien und bewohnte ab 1917 das eben erst fertig gestellte Schloss Cecilienhof nicht weit vom Marmorpalais entfernt. 1945 sollte dieser Bau durch die Potsdamer Konferenz weltberühmt werden. 1945 floh Cecilie von Cecilienhof durch das zerstörte Potsdam nach Bad Kissingen in den Westen. Ihren persönlichen Besitz konnte sie nicht mitnehmen. In Bad Kissingen führte sie dann ein vergleichsweise bescheidenes Leben und starb am 6. Mai 1954 mit 67 Jahren.

Die Ausstellung ist zu sehen bis 1. August 2004, Marmorpalais im Neuen Garten in Potsdam, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Das Begleitbuch kostet 12 Euro.

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