Boxen : Treibstoffpreise: Kein Ansturm auf Billig-Benzin in Polen

Claus Thiele

Der Andrang von "Tanktouristen" in Polen hat sich trotz der hohen Benzinpreise in Deutschland kaum verstärkt. "Die erwarteten Schlangen sind ausgeblieben", sagte der Sprecher des Bundesgrenzschutzamtes Frankfurt (Oder), Mirko Heinke, am Montag. Während die Zwei-Mark-Grenze pro Liter Benzin auf der deutschen Seite der Oder längst überschritten ist, versuchen Tankstellen im polnischen Grenzgebiet, deutsche Kunden mit Preisen von nur 3,20 Zloty (1,62 Mark) pro Liter zu locken.

Der Tanktourismus scheint grundsätzlich ein einträgliches Geschäft zu sein. So schossen im polnischen Slubice gegenüber von Frankfurt (Oder) Tankstellen wie Pilze aus dem Boden. Allerdings haben die polnischen Benzinverkäufer mit Blick auf die deutsche Konkurrenz auch ihre Preise inzwischen deutlich über eine Mark erhöht.

"Wer billig tankt, tankt zwei Mal", warnt die Chefin einer Frankfurter Markentankstelle. "Das Einsparen von theoretisch etwa 40 Pfennig pro Liter beim Tanken von polnischem Benzin, ist eine Milchmädchenrechnung", betont sie. Der Kraftstoff habe nicht die Qualität wie an deutschen Markentankstellen, zugesetzte Additive fehlten und die Oktanzahl sei in Polen anders.

Für den "Tanktouristen" hieße das: Mit der Tankfüllung von in Polen gekauftem Benzin können weniger Kilometer als mit der gleichen Tankfüllung "deutschen" Benzins gefahren werden. Außerdem würden sich Rückstände im Motor bilden, meint die Fachfrau. Deshalb erwarte sie trotz neuerlichen Preisanstiegs keine größere Konkurrenz durch die polnischen Billiganbieter, sagt die Tankstellen-Chefin.

Der Pächter einer anderen Frankfurter Tankstelle sagt: "Na klar wandern bei den Benzinpreisen, auf die wir hier in Frankfurt (Oder) keinen Einfluss haben, jetzt die Kunden ab". Die Preise würden von Berlin aus per Funksignal auf die Preistafeln gelangen. Er und seine Kollegen müssten sich nach der enormen Preissteigerung wahre Schimpftiraden der Kunden anhören, die die teuren Preise nicht verstehen könnten.

"Wenn es eine Alternative gäbe, würden 50 Prozent der Frankfurter Tankstellen dicht machen", betont der Pächter. Denn eine weitere Preissteigerung um jeweils sechs Pfennig seien per 1. Oktober und zum 1. Januar 2001 schon angekündigt worden. Der Bundesgrenzschutz hat an den Übergängen noch keinen Anstieg der Zahl der Reisenden ausmachen können. Täglich passieren in diesem Bereich rund 100 000 Personen die Übergänge nach Polen. Insgesamt 35 Millionen waren es im ersten Halbjahr in beide Richtungen.

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