Treuenbrietzen : Mozart macht Mikroben Laune

Ein Klärwerk in Treuenbrietzen lässt Bakterien mit Klassik beschallen Die Organismen könnten dann schneller arbeiten.

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Seit zwei Monaten hören die Mikroben in der Kläranlage von Treuenbrietzen Klassik. Nicht irgendwelche, Mozart. Kein Scherz. „Wir wollen die Bakterien damit zu mehr Leistung motivieren“, sagt der Geschäftsführer des Treuenbrietzener Wasser- und Abwasserverbandes, Roland Meinusch. „Sie werden rund um die Uhr mit der Zauberflöte beschallt, und wenn es klappt, sparen wir eine Menge Energie und auch Entsorgungskosten für den Klärschlamm.“

Das Prinzip sei zwar ungewöhnlich, aber einfach, sagt Meinusch. In der zweite Stufe des Klärprozesses reinigen die Mikro-Organismen im Belebungsbecken zusammen mit Sauerstoff, der eingeleitet wird, das Abwasser. Je aktiver die Teilchen sind, umso schneller geschieht dies und umso mehr Energie wird eingespart. Fast noch mehr ins Gewicht fällt, dass durch leistungsstärkere Kleinstlebewesen auch weniger Klärschlamm anfällt. Der muss jetzt schon teuer entsorgt werden, und es könnte noch kostspieliger werden.

Die Idee mit der Mikroben-Beschallung hingegen kommt aus Österreich. „In Deutschland wird gerade eine Novellierung der Klärschlammverordnung vorbereitet, deshalb halten wir unsere Methode nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht für absolut zukunftsweisend“, sagt Anton Stucki, aus der Schweiz stammender Geschäftsführer der Firma Mundus aus dem märkischen Wiesenburg. Die hat mit den so genannten Naturschallwandlern ein spezielles Lautsprechersystem entwickelt, das angeblich belebende, motivierende und heilende Wirkung auf alle Lebewesen hat. „Menschen, die Musik über unsere Anlagen hören, berichten, wie sehr sich ihr Gehör verbessert hat“, erzählt Anton Stucki. Ein Kunde in Österreich, der eine Kläranlage betrieb, sei so beeindruckt gewesen, dass er auf die Idee kam, die Bakterien zu beschallen. „Das hat wunderbar geklappt, aber die Anlage war auch sehr klein“, sagt Stucki. „Messbare Ergebnisse versprechen wir uns nun von dem Testversuch in Treuenbrietzen.“ Der sollte ursprünglich nur zwei Monate dauern, sagt Meinusch. Aber gegen den ungewöhnlich langen Winter und das zunächst kalte Frühjahr komme auch Mozart nicht an. Die Bakterien seien aufgrund der niedrigen Temperaturen sehr träge gewesen, deshalb habe man die Testphase noch mal verlängert, um verwertbare Ergebnisse zu erhalten.

Wenn durch die musiktherapierten Mikroben weniger Klärschlamm anfällt, will man die Beschallung fortsetzen, sagt Geschäftsführer Meinusch. Das koste weniger als 5000 Euro im Jahr. Die Kosten für die Entsorgung von Klärschlamm dagegen betrügen jährlich immerhin 70 000 Euro.

Dass sich die menschlichen Mitarbeiter der Kläranlage über nonstop Papageno beklagen würden, sei ihm nicht bekannt, sagt Meinusch: „Weder sie noch irgendwelche Anwohner werden dadurch belästigt.“ Eine Leistungssteigerung oder gar ein unerwarteter Motivationssschub sei dadurch bei den Mitarbeitern allerdings nicht zu erwarten.

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