Boxen : Trotz Insolvenz: Tourenwagen jagen über den Lausitzring

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Klettwitz. Das diesjährige Gastspiel der amerikanischen Champ-Car-Serie auf dem finanziell angeschlagenen Lausitzring steht auf der Kippe. Eine Entscheidung über den Höhepunkt im Rennkalender will der vorläufige Insolvenzverwalter Udo Feser bis Ende nächster Woche treffen. „Ich muss den nach amerikanischem Recht abgeschlossenen Vertrag mit Blick auf die deutschen Insolvenzrichtlinien überprüfen lassen“, sagte der vor zwei Wochen vom Cottbuser Amtsgericht eingesetzte Anwalt gestern. „Schließlich hafte ich für alle finanziellen Forderungen.“ Das Risiko sei sehr hoch. Deshalb müsse er sich nach allen Seiten absichern.

Die Champ-Car-Serie, nach eigenen Angaben „das schnellste Autorennen der Welt“ sollte vom 19. bis 21. September über das Lausitzer Oval rasen. Bei der Premiere der „German 500“ im Vorjahr waren 148 000 Besucher gezählt worden. In diesem Jahr dagegen laufe der Vorverkauf „sehr schlecht“, teilte Geschäftsführer Hans-Jörg Fischer mit. Viele Rennsportbegeisterte seien durch die Insolvenz verunsichert. Er selbst gehe jedoch mit „großer Wahrscheinlichkeit“ davon aus, die Rennfahrer im September begrüßen zu können.

Keine Probleme soll es dagegen mit den Läufen zur Deutschen Tourenwagenmeisterschaft von 12. bis 14. Juli und zwei anderen großen Motorsportereignissen geben. „Ich bin nicht angetreten, um den Lausitzring zu schließen“, erklärte Insolvenzverwalter Feser. „Was wollen Sie denn sonst mit dem Gelände anfangen? Schafe weiden lassen?“

In den nächsten Wochen soll es Gespräche mit etwa 10 Kaufinteressenten für den Ring geben. Bisher scheiterten alle Verhandlungen an der Konstruktion der Besitz- und Betreibergesellschaft der im August 2000 eröffneten Anlage. Eine Tochter der Berliner Bankgesellschaft, die ihr Engagement in der Lausitz beenden will, hält 70 Prozent der Anteile an der Besitzgesellschaft. 20 Prozent entfallen auf den Landkreis Oberspreewald-Lausitz, die restlichen zehn Prozent auf die Prüfgesellschaft Dekra. Letztere errichtet für 25 Millionen Euro unmittelbar am Ring ein großes Testzentrum. Für Automobilfirmen sollen hier ab Anfang nächsten Jahres Fahrzeuge aller Typen überprüft werden. Mit ihrem Anteil versuchte die Dekra, sich eine langfristige Nutzung der Strecken für ihre Zwecke zu sichern – und will ihre Anteile deshalb auch jetzt nicht verkaufen.

Doch damit wollten sich die dem Vernehmen nach hauptsächlich aus Übersee kommenden Interessenten für den Ring nicht abfinden. Das Problem soll mit der für den 1. September geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens aus der Welt geschafft werden: „Wir machen einen klaren Schnitt. Die Vergangenheit spielt keine Rolle mehr“, erklärte Udo Feser. Die Dekra sei zwar Gesellschafter, aber kein Gläubiger. Deshalb werde sie keine Rechte mehr haben.

„Mir geht es um die Strecke, um die 62 Arbeitsplätze, um die Zukunft der Region“, sagte Feser. Im Lausitzring, der einst als wichtigstes Prestigeobjekt der Landesregierung galt, stecken rund 123 Millionen Euro Steuergelder. 1500 Arbeitsplätze waren versprochen worden. „Die kommen noch“, versicherte der Pressesprecher des Rings, Marc-Thorsten Lenzes. Nur der Zeitpunkt sei noch ungewiss.

Mit ihrem Oval gilt die Strecke als einmalig auf dem europäischen Festland. Nur eine Anlage bei London entstand nach ähnlichen Plänen. Trotz einiger unbestrittener Nachteile – zu große Entfernung zum Großraum Berlin und hohe Betriebskosten durch die Dimensionen – mangele es nicht an möglichen Käufern, heißt es aus dem Betreiberumfeld. Unter anderem wird der Veranstalter der Champ-Car-Serie selbst gehandelt.

Ein künftiger Eigentümer muss sich allerdings auf ein hartes Geschäft einstellen. In den ersten beiden Jahren betrug der Verlust der Betreibergesellschaft laut Geschäftsführer Fischer rund sieben Millionen Euro. Und bislang gibt es keine Aussicht, in absehbarer Zeit ein Rennen der Formel 1 zu veranstalten. Doch gerade diese Veranstaltungen bringen sowohl auf dem Nürburg- als auch auf dem Hockenheimring das große Geld. Auch die ursprünglich geplanten großen Open-Air-Konzerte fehlen im Veranstaltungsplan noch. Claus-Dieter Steyer

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