Uckermark : Katzenjammer nach der Stichwahl

Die Frage nach dem künftigen Landrat für die Uckermark ist wieder völlig offen.

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Potsdam/Prenzlau - Wer wird Landrat in der Uckermark? Nach der gescheiterten Direktwahl im größten Kreis Deutschlands, mit 3058 Quadratkilometern größer als das Saarland, ist der Ausgang völlig offen: Die Entscheidung liegt wieder beim Kreistag, der darüber voraussichtlich am 19. Mai befinden wird. Allerdings gibt es vorher eine deutschlandweite Ausschreibung: Deshalb droht nun den im Rennen bleibenden parteilosen Kandidaten der erfolglosen Stichwahl, also dem bisherigen Landrat Klemens Schmitz und dem grünen Kreistagspräsidenten Roland Resch, Konkurrenz. Keiner hatte das nötige Quorum geschafft.

„Es ist alles offen“, sagt Resch, der sich dennoch weiter Chancen ausrechnet. „Sonst würde ich mich nicht bewerben.“ Tatsächlich beginnt der Poker von vorn, wobei die Verhältnisse in der Uckermark kompliziert sind. Das Tischtuch zwischen dem Kreistag und Landrat Schmitz, der nun überraschend als Außenseiter ohne jede Parteiunterstützung zumindest knapp in der Gunst der Uckermärker vorn lag, gilt nach jahrelangen Querelen als zerschnitten. Seine Chancen sind gering. Resch wiederum, Chef des Naturparks, ist als Kreistagspräsident durchaus anerkannt. Doch machte er sich bei SPD und CDU nicht gerade Freunde damit, dass ihn bei der Direktwahl auch die Linken unterstützten.

Zudem hat die von den Uckermärkern erst erzwungene Direktwahl zwischen den Parteien und Personen Wunden gerissen. Und im Kreistag gibt es keine klaren Mehrheiten: Die CDU ist mit 13 der 50 Mandate knapp stärkste Fraktion, vor der SPD mit 12 und den Linken mit 10. Die FDP hat sieben Sitze, vier die Anti-Windkraft-Initiative „Rettet die Uckermark“. Der Rest verteilt sich auf Parteilose und einen NPD-Mann. Unklar ist auch, was die SPD tun wird. Sie hatte ihren Chef, den Schulleiter Frank Bretsch, als Landrat durchsetzen wollen. Er schaffte es aber nicht einmal in die Stichwahl, obwohl er von SPD-Chef Matthias Platzeck massiv unterstützt wurde. So deutet am Tag danach manches auf einen Neuanfang hin. Henryk Wichmann, der aus dem Film von Andreas Dresen bekannt gewordene CDU-Fraktionschef, formuliert es so: „In einer Ausschreibung gelten andere Kriterien“, sagt er. Nach der Direktwahl gebe es offensichtlich ein „Patt“ zwischen Resch und Schmitz: „Die Uckermark ist gespalten.“ Auf das ganze Land Brandenburg bezogen ist nach der verpatzten Uckermark-Kür die bisherige Gesamtbilanz der neuen Direktwahlen ein Fiasko. In fünf von sechs Kreisen wurde mangels Wahlbeteiligung kein Landrat gewählt. Lediglich in Oberspreewald-Lausitz schaffte es der parteilose Siegurd Heinze. Im Landtag wird in dieser Legislaturperiode trotzdem niemand die Direktwahl antasten. Selbst die SPD, gegen deren Widerstand sie durchgesetzt wurde, will nun den Status quo lassen. „Es gibt keinen Anlass für hektische Bewegungen“, sagt SPD-Generalsekretär Klaus Ness. Zwar wollen CDU und Grüne das Quorum senken, wonach mindestens 15 Prozent der Wähler einen Landrat gewählt haben müssen.  Das lehnen SPD und Linke, die eine klare Mehrheit haben, wiederum strikt ab. Linke-Chef Thomas Nord sagt dazu nur: „Da würden die Parteien ja noch fauler.“ 

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