Unabhänger Kandidat : Mit "Plan B" in den Landtag

Rund um den künftigen Großflughafen Schönefeld könnte die Wahl am Sonntag mit einer Überraschung enden. Denn in der dichtbesiedelten Region besteht erstmals die Chance, dass ein unabhängiger Kandidat den Sprung in den Landtag schafft.

Claus-Dieter Steyer

SchönefeldAndreas Noack hat Großes vor. Der Vertreter der Wählervereinigung „Plan B“ will den Wahlkreis 25 gewinnen. Hinter dem eigentümlichen Namen Plan B verbirgt sich eine Gruppierung, die in der 15 Kilometer südlich der Flughafenbaustelle gelegenen Stadt Zossen bei den vorjährigen Kommunalwahlen auf Anhieb 30 Prozent der Stimmen gewann. „In festgefahrenen Situationen braucht man einen ‚Plan B’ um voranzukommen“, heißt es bei dem Zusammenschluss mehrerer örtlicher Bürgerbewegungen.

Bei der morgigen Abstimmung hoffen Andreas Noack und „Plan B“ nun auf die Stimmen der einstigen Gegner eines Großflughafens in Schönefeld, die heute vor allem gegen die geplanten Nachtflüge kämpfen. Die einflussreiche Bürgerverein Berlin-Brandenburg, der jahrelang die Klagen gegen den Großflughafen an dieser Stelle organisiert hatte, rät jedenfalls von einer Unterstützung für die großen Parteien ab: „Wer Nachtflug will, muss SPD, CDU, DIE GRÜNEN oder DIE LINKE wählen!“, läuft es unentwegt quer über die Internetseite. Daraus spricht die Enttäuschung vieler lärmgeplagter Anwohner über den aus ihrer Sicht mangelnden Einsatz der genannten Parteien gegen Flugverkehr nach 22 Uhr. „Sie haben uns alle im Stich gelassen“, sagt Dagmar Rebel-Cortes aus dem Vorstand des Vereins „Daher wollen wir ihnen diesmal einen keine Stimme geben.“ Man könne entweder den Wahlschein ungültig machen oder nach unabhängigen Kandidaten suchen.

"Die FDP habe man mit Absicht aus der Aufzählung ausgespart, weil sie in der Region keine Rolle spielt. Dafür steht auf dem Wahlschein auch Andreas Noack, der gleich mit einer materiellen Offerte auf Stimmenfang geht. Er will die Sammelklage der in der Einflugschneise lebenden Menschen gegen ein uneingeschränktes Nachtflugverbot mit 5000 Euro unterstützen. Die sollen allerdings aus der Stadtkasse von Zossen kommen. „Die Stadt genießt alle Vorteile des Ausbaus des Großflughafens, insbesondere mögliche neue Ansiedlungen, ohne den Nachteil der Lärmbelästigung“, sagt Noack. „Die Belange der betroffenen Bürger sind uns aber nicht egal. Deshalb zeigen wir uns solidarisch und unterstützen sie bei der Durchsetzung ihrer berechtigten Anliegen.“ Leidtragender der Stimmengewinne des unabhängigen Kandidaten könnte vor allem der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Schulze sein. Er entschied zwar als ausgewiesener Gegner des Großflughafens in Schönfeld seit 1990 alle Abstimmungen für sich entscheiden.

Doch gegen die Übermacht von Regierungschef Matthias Platzeck konnte er nicht viel ausrichten, was sich jetzt rächen könnte. Aus dem Zweikampf zwischen Noack und Schulze profitiert am Ende möglicherweise Hartmut Rex von den Linken. So manche Beobachter sehen ihn als lachenden Dritten, der den Wahlkreis gewinnen und somit als Direktkandidat in den Landtag einziehen würde.

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