Boxen : Unter Wölfen – Rudelbildung in der Lausitz

Erst wanderten die Tiere aus Polen ein. Nun vermehren sie sich in Deutschland. Jüngst hat wieder eine Wölfin geworfen. Ein gutes Dutzend lebt bereits hier

Claus-Dieter Steyer

Schwarze Pumpe - Sie scheinen sich wohl zu fühlen in der südlichen Lausitz: Bei Schwarze Pumpe in der Neustädter Heide haben Fachleute ein zweites Wolfsrudel ausgemacht. „Schon im Jahr 2002 beobachteten wir hier eine Wölfin“, sagte Jana Schellenberg vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“. Vor kurzem sei ein Wolfsrüde zu ihr gestoßen und jetzt versorgen sie hier ihren Nachwuchs.“ Darauf wiesen Spuren im Gelände hin. Die genaue Anzahl der Welpen sei noch nicht bekannt. Aber in der Regel bringe eine Wölfin zwischen vier und sechs Junge zur Welt.

Ein anderes Wolfsrudel lebt schon seit längerer Zeit auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz südlich von Weißwasser. Bereits 1996 wurde der erste Wolf in dieser Gegend gesichtet. Er war damals über die Neiße aus Polen nach Deutschland gekommen und löste hier einige Verunsicherung aus. Bauern sorgten sich um ihre Schafe und Hühner. Einwohner abgelegener Dörfer verrammelten Türen und Fenster. Der letzte Wolf in der Gegend war als so genannter „Tiger von Sabrodt“ 1904 bei Hoyerswerda geschossen worden. Danach galten die Tiere in Deutschland als ausgerottet. Jetzt riss der Neuankömmling tatsächlich einige Schafe. Doch Wölfe stehen unter strengem Schutz und dürfen nicht gejagt werden.

Weiter nördlich bei Eisenhüttenstadt tauchte kurze Zeit später ein anderer Wolf auf. Er konnte leicht gefangen werden, weil er wegen einer Verletzung am Hinterbein nicht flüchten konnte. Heute lebt er im großen Gehege des Wildparks Schorfheide. Solche Einzelgänger gab es in den folgenden Jahren immer wieder. Im Jahr 2000 warf erstmals eine Wölfin in der Lausitz Junge. Wieder wurden die besorgten Stimmen lauter. Aber Naturschützer leisteten Aufklärungsarbeit. Und das sächsische Landwirtschaftsministerium zahlt den Bauern und Schäfern, deren Hühner oder Schafe von Wölfen getötet wurden, Entschädigungen. In Brandenburg ist eine ähnliche Regelung geplant. Die Verhandlungen mit dem Schafzüchterverband liefen, heißt es im Landwirtschaftsministerium.

Bis jetzt haben sich die Jäger nach Angaben Jana Schellenbergs vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ an das Abschussverbot gehalten. Für die Meldung einer Boulevardzeitung, wonach Jäger alle 13 in den vergangenen drei Jahren gesichteten Welpen der ersten Wolfsfamilie erlegt hätten, gebe es keine Belege. „Wir gehen fest davon aus, dass sich die jungen Tiere ein eigenes Revier gesucht haben“, erklärt Schellenberg. „Im Alter von zwei Jahren verlässt der Nachwuchs in der Regel die Familie, um ein eigenes Revier zu besetzen.“ Dies habe eine Größe von 200 bis 300 Quadratkilometern.

Das Rudel auf dem Übungsplatz bei Weißwasser besteht derzeit aus zwei erwachsenen Wölfen und zwei im Vorjahr zur Welt gekommenen Jungtieren. Spuren ihrer Streifzüge fanden sich bis in die Umgebung des südbrandenburgischen Spremberg. Insgesamt dürften in Brandenburg und Sachsen heute ein gutes Dutzend Wölfe ihre Heimat gefunden haben.

Weitere Informationen unter: www.wolfsregion-lausitz.de

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