Boxen : Unterirdische Pläne für den Kaiserbahnhof

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Potsdam. Das vom Verfall bedrohte Welterbedenkmal Kaiserbahnhof in Potsdam soll endgültig in eine Akademie für Führungskräfte der Deutschen Bahn AG umgestaltet werden. Wie der Tagesspiegel aus Potsdamer Regierungskreisen erfuhr, soll noch bis Ende dieses Monats das Finanzierungs- und Planungskonzept für die Managerakademie fertig gestellt sein. Im Juni wollen Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und Bahnchef Hartmut Mehdorn das Konzept der Öffentlichkeit vorstellen, hieß es weiter.

Nach jahrelangem Stillstand war im Mai des vergangenen Jahres Bewegung in die Bemühungen um die Restaurierung des Denkmals gekommen. Zwei Potsdamer Gastronomen wollten das Objekt als Eigentümer und Betreiber übernehmen. Kurz vor Unterzeichnung der entsprechenden Verträge hatte die Bahn im Dezember jedoch erklärt, als Eigentümer das Projekt selbst zu übernehmen. Die Entscheidung der Bahn war auf heftige Kritik gestoßen, da die Deutsche Bahn AG es seit der Wende versäumt hatte, ein Betreiberkonzept für den Kaiserbahnhof auf die Beine zu stellen. In der Öffentlichkeit wurde die Befürchtung laut, der Ankündigung der Bahn, das Projekt selbst zu übernehmen, werde erneut ein jahrelanges Warten folgen.

Ob die Sanierung des Denkmals zügig in Angriff genommen werden kann, hängt insbesondere von den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Stolpe hatte Mehdorn zwar schriftlich zugesichert, die Bahn könne mit etwa der gleichen Fördersumme in Höhe von rund fünf Millionen Euro rechnen, die den Gastronomen zugestanden hätte. Wie es gestern hieß, sei eine Förderung durchaus auch möglich – allerdings abhängig von den konkreten Maßnahmen und von der Eigentumsform der Akademie. „Das Bundesunternehmen Bahn kann nicht vom Land Brandenburg subventioniert werden“, sagte ein Mitarbeiter des Bauministeriums. Experten gehen davon aus, dass das Vorhaben der Bahn bis zu 20 Millionen Euro kosten könnte.

Nach ersten Planungsunterlagen soll die Mischung aus Restaurantbetrieb und Weiterbildung dadurch möglich werden, dass dem Denkmal, dessen Äußeres kaum verändert werden darf, unterirdische Seminarräume sowie ein unterirdischer Vortragssaal vorgelagert werden, die über das Bahnhofsgebäude betreten werden können. Eingelassene gläserne Lichtbänder an der Decke sollen für Helligkeit sorgen. Im Gefolgesaal soll ein Restaurant eingerichtet werden und einen eigenen Eingang bekommen, der historische Lichthof soll zur Küche werden. In der Bahnhofshalle soll ein historischer Zug zur Büro- und Seminarnutzung freigegeben werden, außerdem sind dort Ausstellungsflächen sowie Meeting-Points in Glasboxen vorgesehen. Im Gewölbe unter der Halle könnten nach den Vorstellungen der Bahn Büros entstehen. Auf dem Gelände sind danach keine weiteren Gebäude vorgesehen.

Der Bahnhof des als Reisekaiser in die Geschichte eingegangenen letzten deutschen Monarchen Wilhelm II. war zwischen 1905 und 1909 von Ernst von Ihne errichtet worden. 1952 fuhr der letzte Zug in den Bahnhof ein, danach begann endgültig der Verfall. Im Dezember 1999 wurde der Kaiserbahnhof auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gesetzt. Seitdem laufen die Bemühungen um eine Sanierung des unweit vom Park Sanssouci gelegenen Denkmals. erb

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