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Thorsten Metzner freut und ärgert sich über geehrte und „vergessene“ Polen

Thorsten Metzner

Es ist für Protokollbeamte eine Krux, originelle wie würdige Geschenke zu finden. Jetzt bekam die Staatskanzlei von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) unerwartete Hilfe: Auf Anregung von Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg erhielt sie 36 Flaschen Wein, „die besonders für polnische Gäste geeignet sind“. Die Bewandtnis? Vor den diesjährigen Feiern zum 175-jährigen Jubiläum des Hambacher Festes von 1832 hatte Rautenberg dort an einer Weinprobe teilgenommen. Verkostet wurde auch ein nach dem polnischen Freiheitskämpfer Franciszek Grzymala benannter Weißwein. Grzymala war einer der Festredner des historischen Ereignisses im Jahr 1832, das als Geburtsstunde von Demokratie und staatlicher Einheit in Deutschland gilt. Prompt überredete Rautenberg den Winzer, für Brandenburg die Rückenetikette mit polnischem Text zu versehen.

Ja, das liebe Protokoll. Da kann selbst ein alter Hase immer noch aufs Glatteis geraten. So erging es Gunter Fritsch, dem Landtagspräsidenten, der morgen übrigens mit einem Empfang seinen 65. Geburtstag feiert, kürzlich beim Festakt zum 850-jährigen Gründungsjubiläum Brandenburgs. Es sollte launig sein, doch nicht alle Honoratioren im Paulikloster der Stadt Brandenburg fanden das passend: Zuerst begrüßte der Parlamentspräsident nämlich Seine Königliche Hoheit Georg Friedrich Prinz von Preußen, den jungen Chef des Hauses Hohenzollern. Das wäre ja gerade zum Landesjubiläum noch nachzusehen. Doch Fritsch, der als Nächstes die anwesenden Kabinettsmitglieder aufzählte, nannte jeweils nur die Nachnamen. Insbesondere gegenüber den Damen in der Regierung wie Kulturministerin Johanna Wanka, Sozialministerin Dagmar Ziegler und Justizministerin Beate Blechinger sei dies nicht Knigge-gerecht, raunte einer der Gäste. Zu allem Überfluss vergaß Fritsch noch, den polnischen Botschafter Marek Prawda zu begrüßen. Der fand Brandenburgs Gründungsfest dennoch gelungen.

Brandenburgs Linke und die Lausitzer Kohle – das ist ein spezielles Verhältnis. Schon vor der Abbaggerung des Dorfes Horno rumorte es bei den Genossen. Jetzt hat der Landesvorstand beschlossen, sich an der Volksinitiative gegen neue Tagebaue zu beteiligen, und wieder ist die Unruhe groß. Prominentester Gegner dieses radikalen Anti-Kohle-Kurses ist ein alter Bekannter: Lothar Nicht, PDS-Beigeordneter der Stadt Cottbus, früher Landesgeschäftsführer und nebenbei auch Exmann von Landtagsfraktionschefin Kerstin Kaiser. „Wir sind der Meinung, dass noch zu viele Fragen offen sind“, monierte Nicht. Bei einigen Sozialdemokraten, die mit Rot-Rot nach 2009 liebäugeln, kam das gut an.

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