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Thorsten Metzner über Kabinettskost und Nachhilfe für die Berliner FDP

Thorsten Metzner

Im brandenburgischen Kabinett, das jeden Dienstagnachmittag tagt, wird immer auch etwas zu essen gereicht. Das kostet den Steuerzahler keinen Cent, denn von jedem am Tisch wird regelmäßig „Kuchen- und Obst-Geld“ kassiert – womit bereits die etwas eintönige Auswahl beschrieben ist. Aufschlussreich sind die kulinarischen Vorlieben: Jörg Schönbohm zum Beispiel ist ein Kuchenpurist, das Obst verschmäht er. Dafür zahlt er auch am wenigsten. Regierungsobst ist merkwürdigerweise teurer als der Kuchen. Zur Kuchen-Obst-Koalition in der Regierung gehören Chef Matthias Platzeck, sein Vize und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, aber auch Wissenschaftsministerin Johanna Wanka, Sportminister Holger Rupprecht und Finanzminister Rainer Speer. Am stärksten ist die reine Obstler- Fraktion, zu der – wahrscheinlich qua Amt – Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler, Verkehrsminister Reinhold Dellmann, Agrarminister Dietmar Woidke, Justizministerin Beate Blechinger und SPD-Fraktionschef Günter Baaske gehören. Was allerdings passiert, wenn ein Obst-Minister im Kabinett doch nach dem – nicht bezahlten – Kuchen greift, oder wenn Jörg Schönbohm plötzlich Appetit auf Apfelkuchen hat, ist nicht bekannt. Wenn die Linken nach 2009 in Potsdam mitregieren sollten, würde sowieso alles anders: Die stehen auf Buletten und Hackepeterbrötchen.

Die SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag kümmert sich erklärtermaßen um die Jugend, zweimal im Jahr ganz besonders. Dann besuchen 30 bis 40 Schülerzeitungsredakteure die Fraktion, um mit deren Chef Günter Baaske, Bildungsminister Holger Rupprecht oder Ministerpräsident Matthias Platzeck zu plauschen. Ganz uneigennützig ist das nicht. Die Genossen wollen schließlich bei künftigen Erstwählern punkten. Jetzt ging bei der Landtags-SPD eine Anfrage ein: Man interessiere sich für den „Tag der Schülerzeitungsredakteure“ und zwar für „jegliche Informationen, z. B. Programm, Gästeliste“, hieß es. Auf Nachfrage stellte sich dann heraus: Angefragt hatten die Berliner Liberalen. „Na ja, das ist zwar eher die Konkurrenz, aber gute Ideen sollten doch möglichst viele erreichen“, freut sich eine Fraktionsmitarbeiterin.

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