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Thorsten Metzner über unmögliche Gäste und Krankenkassen, die als Sponsoren für den Bundespräsidenten auftreten

Thorsten Metzner

Matthias Platzeck, Brandenburgs SPD-Regierungschef, kann nicht an einer Festveranstaltung teilnehmen, die ihn sicher gereizt hätte: Das Diakonische Werk der evangelischen Kirche Deutschlands hat 2008 das Wichernjahr ausgerufen – zur Erinnerung an den Theologen Johann Heinrich Wichern (1808 bis 1881), der einst die Innere Mission der Kirche begründet hatte und Direktor des damaligen Berliner Mustergefängnisses Moabit war. Für den 21. April 2008 – der 200. Geburtstag des Theologen – hat der Landesausschuss für Innere Mission Platzeck zu einer Veranstaltung ins Cottbuser Wichern-Seniorenzentrum geladen. Sage niemand, dass die evangelische Kirche nicht Unmögliches schaffen kann. In der Einladung steht: „Der Jubilar hat sein Erscheinen auch zugesagt.“

Eine Kleine Anfrage von Roswitha Schier, parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, löste bei den brandenburgischen Kabinettsmitgliedern Verwunderung aus: Schier beanstandete, dass die AOK von Berlin und Brandenburg mit einer Spende von 85 000 Euro als größte Sponsoren beim Sommerfest des Bundespräsidenten Horst Köhler, bekanntlich ein Christdemokrat, aufgetreten sind. Wie bewerte die Landesregierung diesen „Umgang mit Versicherungsgeldern“, wollte Schier wissen. Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) zeigte in der Antwort Verständnis für die Kritik – und warb indirekt für eine von der Union abgelehnte Bürgerversicherung: „Solange der Gesetzgeber den Wettbewerb unter den gesetzlichen Kassen zulässt, kann auch die Werbung nicht grundsätzlich unterbunden werden.“

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