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Thorsten metzner über bayerische Geographie und linke Geschichtskunde

Thorsten metzner

Zu Hause in Brandenburg bekommt es kaum einer mit: Matthias Platzeck, Ministerpräsident und früherer SPD-Bundesvorsitzender, ist regelmäßig auswärts als Wahlkämpfer unterwegs. So trat er jüngst in Marktleuthen im bayerischen Fichtelgebirge auf, um die dortigen Genossen vor der Kommunalwahl zu unterstützen. Und die können jede Hilfe brauchen. Seit Ewigkeiten gewinnt dort die CSU. Wie exotisch Platzecks Auftritt gewesen sein muss, gab SPD-Bürgermeisterkandidat Norbert Höcht wohl eher unfreiwillig zum Besten. Laut „Frankenpost“ erinnerte dieser daran, „dass vor vielen Jahren mit dem Bürgermeister von Bremen, Hans Koschnik, schon einmal ein prominenter Sozialdemokrat aus dem Norden in der Stadthalle die Gäste begeistert hatte“. In Bayern wird selbst ein „Ossi“ zum Nordlicht.

In aller Heimlichkeit hat die Führung der Linksfraktion ihren Genossen offenbar Nachhilfe in brandenburgischer Geschichte verordnet. Aus Anlass des 850-Jahre-Landesjubiläums ließ sie ein kleines Büchlein auflegen: „Brandenburg – ein Land mit wechselvoller Geschichte“. Es ist auf 120 Seiten ein bemerkenswert unideologisch gehaltener historischer Abriss. Es sei „an der Zeit, den Blick zu weiten“, befindet Fraktionschefin Kerstin Kaiser im Vorwort. Aus unerfindlichen Gründen ist das Büchlein „nur für den internen Gebrauch“. Ein vor dem Hintergrund der Enteignungsaffäre aufschlussreicher Satz findet sich auf Seite 100: „Das Land wurde an Tausende ,Neubauern‘ vergeben, die das Land nicht bezahlten …, nie richtig Eigentümer waren, sondern nur ein Nutzungsrecht hatten.“ Ihre Erben aber wurden später vom Land kalt enteignet – und die Linke hat daher bekanntlich gerade einen Untersuchungsausschuss beantragt.

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