Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über preußische Toleranz

Brandenburgs Landesbetrieb für Liegenschaften (BLB) hat viel zu tun. Er muss 700 Liegenschaften und den Fuhrpark des Landes verwalten. Seit kurzem muss er sich auch noch um die Betroffenenhotline der Bodenreformaffäre und die Rückabwicklung der Immobilien kümmern, die sich das Land zu Unrecht angeeignet hatte. Der BLB war es ebenso, der den Rechtsstreit um eine Ackerfurche bis zum Bundesgerichtshof getrieben hatte. Die Liegenschaftsmanager des Landes scheinen auch sonst kein Pardon zu kennen – als Raumbeobachter: Sie wiesen jetzt Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) darauf hin, dass der frisch getaufte Knobelsdorff-Saal im Innenministerium nicht so heißen darf. Es gebe schon einen Saal mit diesem Namen in Potsdam. Zwar ist unklar, wo der sich befindet. Doch Schönbohm mag sich wegen dieser Petitesse nicht herumstreiten. Kurzerhand entschied er, den Knobelsdorff-Saal in Henning-von-Tresckow- Saal umzubenennen – nach dem Widerständler des 20. Juli 1944, der in Potsdam gedient hatte.

Gunter Fritsch, Sozialdemokrat und Brandenburgs Landtagspräsident, musste jetzt Überwindungskraft aufbringen. Der 65-Jährige ist Raucher. Doch als Amtsperson hatte er jetzt per Rundschreiben die „Umsetzung des Rauchverbotes im Landtag Brandenburg“ zu verfügen, das seit Jahresanfang gilt. In dem Schreiben an alle Mitglieder des Landtages weist Fritsch nicht nur darauf hin, dass selbst der „Raucherraum im Keller des Hauses 1“ geschlossen wurde. Er droht potenziellen Kippensündern sogar, dass der Präsident nach dem „Brandenburgischen Nichtrauchendenschutzgesetz“ Bußgelder verhängen kann – allerdings erst ab 1. Juli 2008. Einen kleinen Trost hat Fritsch für die rauchenden Parlamentarier und Mitarbeiter der Landtagsverwaltung dann aber doch: „Das Rauchverbot erstreckt sich nicht auf das Außengelände des Landtages.“

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