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Thorsten Metzner über einen neuen Feministen und russische Verhältnisse

Thorsten Metzner

Wie sich Menschen ändern können. Früher hatte Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer (SPD), der engste Vertraute von Regierungschef Matthias Platzeck, noch das Image eines hemdsärmligen „Raubeins“ gepflegt. Aber die Zeiten, wo der Minister selbst im Dienst lieber Outdoor-Kleidung statt Anzüge trug, wo er nicht mit dem Dienstwagen, sondern regelmäßig mit Rennrad und Basecap unterwegs war, sind wohl vorbei. Ab und zu allerdings übermannt das Kabinettsmitglied noch die Lust an der Provokation. Seit Anfang Mai trägt Speer, der immer gern den Macho spielte, am Revers seines Sakkos einen Bekenner-Button mit der Aufschrift: „Feminist“. Über das Rätselraten darüber freut er sich diebisch. „Da denkt jeder drüber nach. Das ist mein Kommunikationspunkt“, sagt Speer. „Seltsamerweise nehmen das alle nicht ernst. Warum, weiß ich auch nicht.“

Im Brandenburger Landtag wird Russisch, das frühere „Englisch des Ostens“ von höchster Stelle gepflegt: Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) und Direktor Detlef Voigt lassen kaum eine Gelegenheit aus, sich auf Russisch zu begrüßen, was bei Dritten gelegentlich für Verwunderung sorgt. Direktor Voigt verblüffte jetzt die versammelte Belegschaft sogar damit, dass er die Verabschiedungsrede für die langjährige Haushaltsbeauftragte Brunhilde Bernoth auf Russisch hielt – was außer der künftigen Pensionärin und Fritsch offenkundig kaum einer verstand. Voigt wusste, dass Bernoth zu DDR-Zeiten vier Jahre in der damaligen Sowjetunion gelebt hatte. Die Landtagsmitarbeiterin der ersten Stunde erinnerte daraufhin – auf Deutsch – an die Anfangszeit des Parlaments 1990. So sei für sie unvergessen, wie den Abgeordneten damals die Diäten noch bar ausgezahlt wurden. „Sie standen in einer langen Schlange an.“ Klingt auch nach russischen Verhältnissen.

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