Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über ein farbenfrohes Büro-Chamäleon und rote Sitten

Thorsten Metzner

Was wäre die Menschheit ohne ihre Liebe zum Tier! Im Büro von Matthias Freude, dem Präsidenten des brandenburgischen Landesumweltamtes, krabbelt neuerdings ein exotisches, gleichwohl niedliches Haustier herum. In diesen Breiten ist es nicht gerade heimisch, was sich durch den Klimawandel vielleicht noch ändert: Es ist ein gut zehn Zentimeter kleines Chamäleon, das den schönen altdeutschen Namen „Bernhard“ trägt. Das bedeutet eigentlich so viel wie „Bär“ oder „stark, hart, kühn“, was wiederum ein wenig im Widerspruch dazu steht, dass sich Freudes Reptil mit der markanten langen Zunge – damit fängt es Fliegen und Mücken – allzu gern zwischen den Grünpflanzen versteckt. Sein herausragendes artentypisches Können hat „Bernhard“, der in der Bürowildnis frei herumklettern darf, trotzdem nicht verlernt. „Neulich hatte ein Besucher ein rosafarbenes Hemd an“, erzählte Freude jetzt vergnügt. „Sofort bekam das Tier rosa Flecken.“ Noch unerforscht ist, welche Farbe „Bernhard“ annimmt, wenn er Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) erblickt, der das Landesumweltamt seit geraumer Zeit an die kurze Leine nimmt.

In der Linken-Landtagsfraktion gibt es wie anderswo Eitelkeiten, Rivalitäten, Animositäten: Wie Hund und Katze sind zum Beispiel Hans-Jürgen Scharfenberg, der Vorsitzende des Innenausschusses und innenpolitische Sprecher, und der junge rechtspolitische Sprecher Stefan Sarrach. Dieser hat den Ruf eines Revoluzzers, womit er sogar Scharfenberg, der wegen seiner rigorosen Oppositionspolitik als Stadtfraktionschef in Potsdam auch nicht gerade als Realo gilt, in den Schatten stellt. In der jüngsten Fraktionssitzung gelang Sarrach zunächst ein Coup: Scharfenberg hatte dort als zuständiger Fachpolitiker einen Fraktionsantrag zu nachträglichen Gebühren für Abwasseraltanschlüsse vorbereitet, den Sarrach nach einer eindringlichen Polemik verschärfen ließ – mit Erfolg. Allerdings währte Scharfenbergs Verdruss nur kurz: Zwei Stunden später musste Sarrach eingestehen, dass die von ihm durchgesetzten und von der Fraktion beschlossenen Formulierungen juristisch doch nicht haltbar seien. Also hieß es Kommando zurück, im Landtag wird nun doch der Scharfenberg-Antrag eingebracht. Interessant ist, welche Rolle der Zufall bei Parlamentsanträgen der Linken spielt, die ab 2009 Regierungspartei sein will.

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