Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

über Frauenbilder und Schläge unter die Gürtellinie Schon bald nach der letzten Landtagswahl gab die Sozialdemokratin Wilma Simon ihren Job als Finanzministerin auf – nicht zuletzt, weil sie mit dem Koalitionspartner CDU und deren Chef Jörg Schönbohm nicht mehr wollte. Sie kehrte nach Hamburg zurück, ist mit Brandenburg aber weiter verbunden, wie ihre regelmäßigen Besuche zeigen. In der neuesten Ausgabe der regionalen SPD-Zeitschrift „Perspektive 21“ setzt sich die studierte Politologin kritisch mit Schönbohms „vermufftem“ Frauenbild auseinander: „Papa geht arbeiten, Mama bleibt schön zu Hause und erzieht möglichst viele Kinderlein.“ Deshalb wettere er gegen die „unglaublich hohe Kitagläubigkeit“. Schönbohm sei verheiratet „mit einer gewiss liebenswerten Frau, die offenbar aus innerer Überzeugung die traditionelle Frauenrolle ausgefüllt hat und ausfüllt“, schreibt Simon. Aber er greife zu kurz, wenn er diese persönliche Lebenssituation, „so geglückt sie auch sein mag“, auf die Frauen eines ganzen Landes übertragen wolle.

Eine sinnvolle Initiative: Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) möchte den Schulleitern des Landes auf der Schulleiterkonferenz am 5. August im Jüdischen Museum Berlin das Buch „Koscher“ von Paul Spiegel übergeben. Der Text – der Vorsitzende des Zentralrats der Juden beschreibt das Leben der Juden in Deutschland – soll zur Aufklärung an den Schulen dienen. Doch der vorgesehene Sponsor, der Berliner Unternehmer Klaus Krone, nahm seine Zusage zurück. In einem Schreiben an Reiche erteilte er „eine Absage aus politischen Gründen“: „Ich bin einfach nicht damit einverstanden, wie die brandenburgische SPD mit ihrem Koalitionspartner CDU, und hier insbesondere mit ihrem Ministerkollegen Herrn Jörg Schönbohm, umgeht.“ Das gehe „unter die Gürtellinie“, schrieb Krone, der früher Schatzmeister der märkischen Union war. Steffen Reiche kann Krones Kritik nicht nachvollziehen. Er hofft nun, dass sich bis zum Ende der Schulferien noch ein Sponsor findet – die benötigten 500 Bücher kosten 8000 Euro.

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