Boxen : UNTERM ADLER

M. Mara,Th. Metzner

über Spekulationen und Sticheleien Nicht nur hierzulande wird Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schon mal als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Gerhard Schröder gehandelt. Zwar war vor Weihnachten eine solche Spekulation auffallend schnell nicht nur von Platzeck, sondern auch vom Kanzleramt dementiert worden. Trotzdem war die politische Kaffeesatzleserei jetzt auch dem Wiener „Standard“ einen Bericht wert. Schließlich, so das Blatt aus Österreich, sei der „smarte Ostdeutsche“, der mit seinen 51 Jahren „mehr graue Haare als der Kanzler hat“, der letzte der einstigen „SPD-Hoffnungsträger“. Von acht potenziellen Nachfolgern, die Schröder noch vor drei Jahren genannt habe, seien alle „abgestürzt oder kaum präsent“ – bis auf Platzeck.

SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness bekam ungewöhnliche Neujahrs-Post – von Heiko Homburg, früher Sprecher von CDU-Innenminister Jörg Schönbohm, jetzt Büroleiter der CDU- Fraktionsspitze im Landtag. Süffisant macht Homburg darin auf ein Interview von Egon Bahr aufmerksam, das dieser der „Jungen Freiheit“ gegeben hatte, die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt. Besonders ein Bahr-Zitat zu Willy Brandts Kniefall in Warschau hatte es Homburg angetan: „Aber kein Volk kann dauernd knieend leben.“ Homburgs Brief ist eine Retourkutsche: Vor geraumer Zeit hatte Ness nicht nur Interviews von Schönbohm mit der „Jungen Freiheit“ massiv kritisiert, sondern einmal auch Homburgs Rauswurf als Ministeriumssprecher wegen eines Leserbriefs an das Blatt gefordert. Was er von dem Bahr-Interview hält, sollte man Ness lieber nicht fragen.

Milde gegenüber der PDS kann man Jörg Schönbohm wahrlich nicht nachsagen: Auf offener Bühne liebt Brandenburgs CDU-Chef und Innenminister die harte Auseinandersetzung mit den Genossen. Trotzdem bekam PDS- Bundeschef Lothar Bisky von Schönbohm jetzt unerwartete Rückendeckung im Streit mit Bundesinnenminister Otto Schily. Bisky hatte sich bei diesem beschwert, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz an die Innenminister der Länder eine Liste versandt hatte, in der die PDS als extremistische Organisation eingestuft wurde – neben Gruppen wie Al Qaida oder der rechtsextremen „Blood and Honour“. Jetzt stellte auch Schönbohm klar, dass diese Liste in Brandenburg nicht angewendet werde, um einbürgerungswillige Ausländer nach der Mitgliedschaft in extremistischen Organisationen zu befragen. Biskys Kommentar: „Ein leichter Sieg der Vernunft.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar