Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

über Pietät im Karneval und modernen Konservatismus Brandenburg gilt nicht gerade als Karnevals-Hochburg. Trotzdem gehörte es bisher zum Pflichtprogramm des Ministerpräsidenten, sich in diesen Wochen unter die Narren zu mischen. Doch diesmal hat Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) alle Karnevalsbesuche im Land abgesagt: Er könne nicht auf Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Flutkatastrophe in Asien sprechen oder sich mit deren Angehörigen treffen und anschließend Fasching feiern, bat Platzeck um Verständnis. Auch auf seinen Stellvertreter Jörg Schönbohm (CDU) müssen die Jecken verzichten. „Mir ist nicht nach Karneval zumute“, sagt Schönbohm. Den anderen Ministern scheint es ähnlich zu gehen. Es fiel jedenfalls auf, dass bei der Gala „Heut’ steppt der Adler“ in Cottbus diesmal kaum politische Prominenz dabei war.

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Wie ermüdend Parlamentssitzungen sein können, musste Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) neulich eindrücklich erfahren. Er hatte zwischen einer Sitzung und dem eigenen Neujahrsempfang im Krongut Bornstedt zwei Stunden Zeit zu überbrücken, zog sich dafür mit seinem Büroleiter auf die bequeme Couchgarnitur im Präsidentenbüro zurück, schaltete den Fernseher ein – und beide schliefen ein. Erst wenige Minuten vor Beginn des Neujahrsempfangs schreckten sie hoch. Sprinteten durch die Landtagsflure, rasten mit dem Auto durch Potsdam und trafen im Krongut ein – gerade noch rechtzeitig.

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Mit einem Gnadengesuch wandte sich ein Brandenburger Häftling an Justizministerin Beate Blechinger (CDU). Er begründete seinen Wunsch nach Freilassung zum einen damit, dass seine Mutter schon ganz depressiv sei, weil ihre beiden Söhne im Knast säßen. Zum zweiten wünschten er und seine Freundin sich unbedingt ein Kind, was sich wegen seiner derzeitigen Unterbringung aber nicht realisieren lasse. Blechinger lehnte das Gnadengesuch zwar ab, hatte aber trotzdem Verständnis. „Vielleicht sollten wir in der Haftanstalt eine Möglichkeit schaffen, dass sich die beiden ihren Kinderwunsch erfüllen können“, sagte sie jüngst in kleinerer Runde. Ein vernünftiger Gedanke. Angesichts des Geburtenrückgangs im Land sollte jedes Ressort über neue Wege zur Geburtensteigerung nachdenken.

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Innenminister Schönbohm streitet vehement für einen massenhaften Einsatz des genetischen Fingerabdrucks. Neulich war er in Sandra Maischbergers Talkshow zu Gast, diese machte den Praxistest: „Herr Schönbohm, sollen wir Ihren Fingerabdruck nehmen oder wollen Sie den DNA-Tupfer?“ Schönbohm, sonst ziemlich altmodisch, wählte, logisch, die moderne Variante. Allerdings nannte er einen eher profanen Grund: „Weil ich mir die Finger nicht schmutzig machen möchte.“ Womit er die Debatte um ein völlig neues Argument bereicherte.

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