Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

über prominente Wahlhelfer und Weltraum-Träumer Ex-Bildungsminister Steffen Reiche (SPD), der sich in Cottbus um ein Direktmandat für den Bundestag bewirbt, bekommt prominente Unterstützung. Alt-Bundespräsident Johannes Rau wird am 5. Juli in Cottbus mit Reiche über das Thema „Versöhnen statt spalten“ diskutieren. „Versöhnen statt spalten“ lautete 1987 auch Raus Wahlkampfmotto als Kanzlerkandidat der SPD. Es dürfte ganz im Sinne Reiches sein, dessen Spitzenkandidatur in der märkischen SPD umstritten ist. Befürworter argumentieren, dass Reiche nach Platzeck und Schönbohm der drittbekannteste Politiker im Land ist. Kritiker favorisieren hingegen die erfahrenen Bundestagsabgeordneten Stefan Hilsberg oder Peter Danckert.

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Das Arbeitszimmer von Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) in der Potsdamer Staatskanzlei schmücken bisher nur zwei Fotos: Sie zeigen die Glienicker Brücke und die Friedrichskirche in Babelsberg – erinnerungsreiche Orte für den einstigen DDR-Bürgerrechtler aus der Wendezeit. Jetzt ist ein Poster hinzugekommen, das ihm beim Besuch des Sternenstädtchens in der Nähe Moskaus überreicht wurde. Es zeigt den Start einer Rakete in Baikonur. Vor zwei Jahren träumte Platzeck in der Wochenzeitung „Die Zeit“ von den Weiten des Weltalls: „Ich will es wissen. Ich will nach oben.“ Eine Bordkarte aus russischen Sojus-Raumschiffen, die ihm DDR-Kosmonaut Siegmund Jähn im Sternenstädtchen überreichte und Unterschriften mehrerer Kosmonauten trägt, wird Platzeck vielleicht zu neuen Weltraum-Träumen inspirieren.

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SPD und CDU wetteifern in allen Bereichen um die Vorreiterrolle, sogar wenn es um so profane Dinge wie Türschilder geht. Heiko Homburg, Büroleiter von CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek, registrierte jüngst überrascht, wie prompt die SPD eine beiläufige Bemerkung von ihm aufgegriffen hat: Bei einem Kantinengespräch sinnierte Homburg darüber, dass die trist-grauen Türschilder im Landtag eigentlich ausgewechselt werden müssten. Kurz darauf entdeckte er an drei Türen im SPD-Flur neue knallrote Namensschilder. Homburg reagierte prompt und ließ an allen Türen der CDU-Fraktion die alten Schilder ersetzen. „Natürlich durch das traditionelle CDU-Blau“, so Homburg, der erfreut feststellte: „Die Flure wirken jetzt nicht mehr so öde.“ Nur die PDS zieht bisher nicht mit – was möglicherweise damit zusammen hängt, dass die Signalfarbe der Linkspartei noch nicht feststeht.

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