Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

über Arbeitseinsätze von Politikern, umstrittene Tiervergleiche und die Hausenten der Grünen Zu SED-Zeiten war es gängige Praxis, dass Personen – meist zur Bewährung – „in die Produktion“ geschickt wurden. Bei ihm sei das anders, versichert SPD-Fraktionschef Günter Baaske, der am Montag zu einem einwöchigen Arbeitseinsatz bei der Firma Betonsanierung Pilgrimowski in Neuseddin antritt. Niemand habe ihn strafversetzt, er wolle einfach wissen, „wie es auf dem Bau läuft“. Die nahe liegende Vermutung, dass es sich um eine Wahlkampf-Inszenierung handelt, weist Baaske zurück. Er habe den Arbeitseinsatz schon im letzten Jahr für die Sommerferien angekündigt.

Inzwischen hat die SPD-Landtagsabgeordnete Elisabeth Alter aber nachgezogen: Sie will eintägige kostenlose Arbeitseinsätze in mehreren Betrieben der Region absolvieren, „um zu erfahren, wo der Schuh drückt“. CDU-Generalsekretär Sven Petke kommentiert bissig: „Das kommt ein bisschen spät.“ Außerdem sollten SPD-Abgeordnete anderen nicht noch die Arbeit wegnehmen.

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Brandenburgs mitgliederschwache Grüne haben unerwartet Zuwachs bekommen: Auf der Terrasse der unlängst bezogenen neuen Landesgeschäftsstelle in der Potsdamer Jägerstraße hat sich eine Stockenten-Familie eingenistet. Eine der heiß diskutierten Fragen bei den Grünen, die sich in den Arbeitspausen an der Terrassentür auf die Lauer legen, um sich zu vergewissern, dass es den Enten gut geht: Wie kann man die Mutter und ihre munteren Küken so artgerecht wie möglich beherbergen? Wie man sieht, kennen sich eben auch Grüne längst nicht in allen Dingen aus, die die Tier- und Pflanzenwelt betreffen. Ein Ornithologe bestätigte, dass sich Enten und andere eigentlich nicht typische Arten in den geschützten, oft dicht bewachsenen Potsdamer Innenhöfen durchaus wohl fühlen. Nachbarn versicherten jedenfalls, dass das Entenpaar schon seit Jahren auf dem Innenhof nistet – also nicht erst seit dem Einzug der Grünen.

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Seit Jahren klagen Gefangene der JVA Brandenburg an der Havel über die Haftbedingungen, vor allem die dramatische Überbelegung. Umso verwunderlicher mutet es auf den ersten Blick an, dass sich jetzt viele Häftlinge gegen eine Verlegung in die neu errichtete JVA Duben sträuben. Die Gefangenenzeitung enthüllte jetzt, warum die meisten betroffenen Häftlinge in Brandenburg (Havel) ihre überbelegten Zellen nicht mit einer modernen Einzelzelle mit allen Annehmlichkeiten einer modernen Vollzugseinrichtung tauschen wollen: „Sie alle haben Angst um den Verlust ihres Arbeitsplatzes.“ Damit verbunden sei die Sorge, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen zu können, zum Beispiel zur Tilgung von Schulden. In der JVA Brandenburg (Havel) gibt es viele Arbeitsmöglichkeiten, vom Gartengrill bis zu Büromöbeln wird dort fast alles produziert. Nicht so in der JVA Duben, bei deren Bau hat man offenbar vergessen, dass Arbeit auch für viele Häftlinge das Wichtigste ist.

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Wegen unangemessener Tiervergleiche ist schon mancher Politiker ins Fettnäpfchen getreten. Zuletzt SPD-Bundeschef Franz Müntefering mit seinem viel zitierten Heuschrecken-Vergleich. Jetzt muss sich SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness gegen den Vorwurf wehren, anders denkende Politiker mit Parasiten verglichen zu haben. Denn Ness hat den Übertritt eines Gewerkschafters von der SPD zur PDS mit den Worten kommentiert, dass sich jetzt eben manche „ein neues Wirtstier suchen“. Die FDP findet das menschenverachtend und verlangt von SPD-Landeschef und Ministerpräsident Matthias Platzeck eine schnelle Klarstellung. Doch Platzeck hat Besseres zu tun: Er macht zurzeit Urlaub. Und Ness denkt nicht daran, seinen Wirtstier-Vergleich zurückzunehmen: Es gebe Beweise dafür, dass manche nur deshalb die SPD verließen, weil ihnen von der neuen Linkspartei Mandate versprochen würden oder weil sie sich welche erhofften.

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