Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

hört das Echo auf böse Worte und gutes Handwerk und erwartet künftig Samstagsarbeit von Beamten Das Echo hat ihn selbst verblüfft: Ein einziges Wort über Oskar Lafontaine brachte den SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness bundesweit in die Schlagzeilen – und in die Kritik: „Hassprediger“ hatte er den abtrünnigen Ex-SPD-Vorsitzenden genannt. Selbst überregionalen Zeitungen wie „FAZ“ und „Süddeutsche“ war das größere Betrachtungen wert. Dabei stammte das Argumentationspapier, das Ness vor zehn Tagen SPD-Genossen per E-Mail übermittelte, gar nicht aus seiner Feder, sondern von einer Internet-Seite junger sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter. Doch das ging meist unter. Die Internet-Suchmaschine Google jedenfalls fand weit über 300 Artikel zu den Stichworten „Lafontaine – Hassprediger – Ness“. Der Landesgeschäftsführer bekam auch E-Mails, in denen er aufs heftigste von Lafontaine-Anhängern beschimpft wurde – aber auch solche mit zustimmenden Äußerungen. Übrigens hat auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ Lafontaine mit einem Hassprediger verglichen.

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Die Staatskanzlei versucht etwas Neues: Sie schafft die so genannte Kernarbeitszeit ab. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit so einteilen können, wie sie es möchten. Sie können an einem Tag nur zwei Stunden arbeiten, an anderen dafür mehr. Sie können bis abends 21.30 Uhr am Schreibtisch sitzen, sogar an einer begrenzten Anzahl von Sonnabenden. Bedingung ist jedoch, dass jedes Referat zwischen 8.30 Uhr und 16.30 Uhr „sprechfähig“ sein muss, sagt Staatskanzlei-Chef Clemens Appel. Und es versteht sich von selbst, dass es keinerlei Abstriche an der wöchentlichen Regelarbeitszeit von 38 Stunden gibt. Zur Kontrolle müssen sich die Staatskanzleibeamten mit Chipkarten elektronisch an- und abmelden. Einen Nachteil aber müssen die Staatsbediensten für die größere Flexibilität in Kauf nehmen: Arztbesuche müssen generell außerhalb der Arbeitszeit stattfinden. Kanzleichef Appel sagt: „Wir testen jetzt zwei Jahre, wenn das Pilotprojekt nicht funktioniert, muss es überdacht werden.“

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Recht medienwirksam agierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Baaske, der letzte Woche von 7 bis 17 Uhr auf dem Bau arbeitete und das dabei verdiente Geld für einen guten Zweck spenden will. Zeitungen nahmen davon ausführlich und mit Fotos Notiz. Baaske, der auf dem Bau eigentlich „den Kopf freibekommen“ wollte, posierte für die Kameras und stand den Reportern bereitwillig Rede und Antwort: „Ich muss das Styropor mit diesen Schrauben an die Fassade dübeln.“ Das Echo auf der politischen Bühne war eher skeptisch. CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek meinte, dass Baaske einen Ein-EuroJob testen, aber darüber nicht reden solle. Grundsätzlich sei Bodenhaftung von Politikern gut, ihn störe bei Baaske aber ein wenig der Show-Effekt. Dagmar Enkelmann, Spitzenkandidatin der Brandenburger PDS für die Bundestagswahl, formulierte ähnlich: „Das ist ein bisschen auch eine Show-Veranstaltung, Politiker sollten das nicht machen.“

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