Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Es gibt ein neues Buch über die Mark. Und was für eins, allein schon der Titel hat es in sich: Es handelt sich um das „Staatshandbuch Brandenburg 2006“. Das „Handbuch der Landes- und Kommunalverwaltung“ listet Adressen der wichtigsten Behörden auf, ist als Leitfaden für Unternehmen, Verbände, Parteien, Medien gedacht. Es hat sogar offiziellen Charakter, da der Herausgeber kein Geringerer als Staatskanzleichef Clemens Appel ist. Natürlich gibt es auch ein, so die Überschrift in dicken Lettern, „Vorwort des Brandenburgischen Ministerpräsidenten Dr. Matthias Platzeck“. Nanu, hat Platzeck klammheimlich seinen Doktor gemacht? Oder hat ihm jemand eine Ehrendoktorwürde verliehen? Es muss wohl der Fehlerteufel gewesen sein. Herausgeber Appel schwört jedenfalls Stein und Bein, dass in den Zuarbeiten der Staatskanzlei der falsche Doktor nicht drin war. „Er muss im Verlag zugefügt worden sein. Vielleicht hat man dort noch an Dr. Stolpe gedacht.“

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Selbst die Regierung ist nicht sonderlich optimistisch, dass Brandenburg von der Fußball-WM profitieren wird. Das konnte die CDU-Abgeordnete Barbara Richstein jetzt einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage entnehmen. Sie dürfte darüber nicht sonderlich zufrieden sein. Zwar seien durchaus „positive Effekte“ im Einzelhandel oder im Tourismus zu erwarten, heißt es da. Doch sollte „deren Ausmaß nicht überschätzt“ werden. Und: Wenn das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung selbst für Berlin als einen der WM-Austragungsorte nur einen zusätzlichen Wachstumseffekt von 0,2 Prozent errechnet, dürfte „der entsprechende Wert für das Land Brandenburg wesentlich geringer sein“.

Dazu passt, dass sich die TMB, die Tourismusgesellschaft Brandenburg, die Internet-Adresse www.fussballfreie-zone.de gesichert hat. Aber es gibt einen Lichtblick. Im Seminaris-Hotel wird sich die Nationalmannschaft der Ukraine einquartieren. Und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat schon die Parole ausgegeben: „Wir drücken den Ukrainern so lange die Daumen, bis sie gegen Deutschland spielen.“

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Ein bisschen zu denken gibt es schon: Da paddelte Rainer Speer vier Wochen im Kanu um Feuerland herum, ohne Laptop, ohne Handy und „ohne Entzugserscheinungen“ zur Brandenburger Politik, wie er sagt. Und zu Hause fiel es gar nicht so richtig auf, dass der SPD-Finanzminister so lange abwesend war. Am Montag tritt Speer nun seinen Dienst wieder an, körperlich und seelisch gestärkt, gut gebräunt, ein paar Kilo weniger auf den Rippen. Allerdings sind es auch nicht so viele Kilo weniger, wie vielleicht erhofft.

„Wir haben gut gegessen, etwa selbst geangelten Fisch wie Forellen und Lachse“, erzählte Speer. „Es war unbeschreiblich schön. Wir fuhren direkt zu den Gletschern, haben Seelöwen gesehen.“ Im Ministerium hatte er sich in der ganzen Zeit ein einziges Mal telefonisch gemeldet und auf die Frage, ob er etwas wissen will, eine klare Antwort gegeben: „Nein.“ Eins hat das Raubein am Ende der Welt trotzdem vermisst: „Es gab keinen Espresso.“

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