Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Seine Genossen sind erleichtert, dass Regierungschef Matthias Platzeck nach seiner Genesung wieder ganz für Brandenburg zur Verfügung stehen will. Dennoch überraschte einige, dass er gleich am Tag nach seinem krankheitsbedingten Rücktritt als SPD-Bundeschef ankündigte, bei der Landtagswahl 2009 als Spitzenkandidat anzutreten und im Sommer erneut als SPD-Landesvorsitzender zu kandidieren. Auf der Telefonkonferenz der SPD-Führung wurde Platzeck einstimmig nominiert. Nur der Kreischef und SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Danckert äußerte sich irritiert darüber, dass der wirkliche Gesundheitszustand Platzecks so lange verschwiegen worden sei – was andere hinter vorgehaltener Hand beklagen. Danckert fragte besorgt, ob es überhaupt sinnvoll sei, wenn der Regierungschef trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen erneut auch den Parteivorsitz übernimmt. Manfred Stolpe etwa, Platzecks Vorgänger als Ministerpräsident, war nie Landesvorsitzender der SPD.

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Er ist aufgeräumt und guter Dinge wie lange nicht: Jörg Schönbohm, Innenminister und CDU-Landeschef, der während Platzecks Erholung die Regierung führt. So koordinierte Schönbohm jüngst erfolgreich den Hochwasser-Einsatz. Dass ihn eine Zeitung prompt zum „Deichgrafen“ kürte, bislang ein Attribut für Platzeck, habe dem „Alten“ richtig geschmeichelt, hieß es in der CDU. Überhaupt erinnert man sich dort angesichts der gehandicapten SPD-Riege – neben Platzeck ist auch Infrastrukturminister Frank Szymansky wegen einer Magen-Darm-Erkrankung außer Gefecht – noch gut an eine verbale Entgleisung der Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler. Die hatte Schönbohm vor drei Jahren im SPD-Landesvorstand als „alten, kranken Mann“ verunglimpft. Nun macht der 68-Jährige im Kabinett allen etwas vor.

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Der Verein „Brandenburg gegen Rechts“ war Christdemokraten früher nicht geheuer. Man hielt die Initiative, die zum Beispiel Schüler-Fahrten nach Auschwitz organisiert, wohl für zu SPD-nah. Jetzt wandte sich CDU-Generalsekretär Sven Petke an das Innenministerium mit der Bitte, Lottomittel für die Fahrt von Jugendlichen eines Potsdamer Oberstufenzentrums nach Auschwitz zu bewilligen. Das von CDU-Chef Schönbohm geführte Ressort hatte jedoch Bedenken: Es könne der Eindruck einer „Parteischiene“ entstehen. Der Ausweg: Die Potsdamer SPD-Abgeordnete Clara Geywitz wurde gefragt, ob sie den Antrag unterstützen wolle. Was sie gerne tut.

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