Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

Man mag es nicht glauben: Die SPD verzichtet auf die Veröffentlichung einer von ihr in Auftrag gegebenen Umfrage zum Stimmungsbild in Brandenburg – aus Rücksicht auf den Koalitionspartner CDU. Nach der Umfrage soll die SPD in der Wählergunst auf über 40 Prozent geklettert sein, während die CDU bei 20 Prozent dümpelt. Man wolle den Partner nicht düpieren, so ein SPD-Genosse treuherzig. Es ist noch nicht lange her, da ging die SPD weniger zimperlich mit Umfragen um – zum Beispiel zum Ansehen von CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm. Wissen muss man, dass die neue Umfrage kurz nach dem Rücktritt Platzecks vom SPD-Vorsitz stattfand. So kann es kann sein, dass die märkische SPD von einem Mitleidseffekt mit ihrem Regierungschef profitierte und die Werte bald anders aussehen könnten.

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Der Ministerpräsident mahnte jüngst, dass Toleranz ein Standortfaktor sei. Er berief sich auf den US-Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida, von dem die Theorie der „Drei T’s“ stamme. Danach sind Technologie, Talente und Toleranz entscheidend. Florida zufolge ziehen talentierte Leute nicht in Gegenden, die bestimmte Gruppen ausgrenzten, sondern dorthin, wo ein offenes Klima herrscht. Auf eine weitere Erkenntnis Floridas ging Platzeck nicht ein, nämlich die Korrelation zwischen der Konzentration von Schwulen und der High-Tech-Industrie. Sechs der zehn größten Homo-Metropolen in der Welt seien führende High-Tech-Städte. Launiger Kommentar von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU): „Das wäre ein Argument für die Fusion mit Berlin – alleine schaffen wir das nicht.“

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Die Frage, wie sicher sich Ausländer in Brandenburg bewegen können, beschäftigt auch Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg. Als er dieser Tage die JVA Brandenburg besuchte, traf er den dort tätigen Psychologen Steven Feelgood, den die Liebe vor einigen Jahren von Australien nach Brandenburg verschlagen hat. Rautenberg wollte wissen, ob er wegen seiner Herkunft auch auf Vorbehalte stoße. Feelgood antwortete verschmitzt: „Im Gegenteil. Es war mehrfach von Vorteil, dass ich Aussi und nicht Wessi bin.“

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Franz Beckenbauer bekam jetzt freundliche Absagen von Brandenburger Ministern, als Ehrengäste an Spielen der Fußball-WM teilzunehmen. „Vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion im Zusammenhang mit den so genannten VIP-Karten möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass ich von dem freundlichen Angebot keinen Gebrauch machen werde“, schrieb etwa Innenminister Schönbohm (CDU). Auch Ministerpräsident Platzeck wird Beckenbauers Angebot nicht nutzen. Dafür bereitet die SPD für den 20. Juni ein gemeinsames „Fußballgucken“ mit Platzeck im Hof der SPD-Landeszentrale vor. Vorher muss noch ein Problem gelöst werden: Wie kann man, wenn die Sonne scheint, das Geschehen auf der Leinwand erkennen?

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