Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

Es ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich, wie die beiden Kandidaten für den Parteivorsitz der CDU ihren Wahlkampf führen: Wirtschaftsminister und Vize-CDU-Chef Ulrich Junghanns sagte letzte Woche kurzfristig einen Besuch in Jüterbog ab, Ex-Generalsekretär Sven Petke und dessen Frau Katherina Reiche sprangen gern ein. Wissen muss man: Die CDU in Jüterbog wie im gesamten Kreis Teltow-Fläming wird dem Petke-Lager zugerechnet. Kein Wunder – Kreischef ist dort Danny Eichelbaum, Büroleiter von Katherina Reiche, der CDU-Vize-Fraktionschefin im Bundestag.

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Finanzminister Rainer Speer (SPD) ist es gewohnt, dass sich manche über seine unkonventionelle Art mokieren: Mal nehmen sie Anstoß daran, dass er mittags bei seinem Potsdamer Lieblingsitaliener am Laptop arbeitet – das Glas Rotwein neben sich. Mal finden sie es anstößig, dass er bei Veranstaltungen bis in die Nacht zum Vergnügen Platten auflegt. Jüngst hielten ein paar Leute seine Begrüßungsvorlesung für das Erstsemester an der Fachhochschule Eberswalde für unangemessen: Als Speer nämlich bemerkte, dass sich die 400 Erstsemestler bereits auf den anschließenden Empfang eingestellt hatten, beendete er seine Rede schon nach gut zehn Minuten – mit einem Lied: Er spielte auf seiner Mundharmonika und sang den Boogie „Baby Please Don’t Go“. Speers Erklärung: „Ich dachte, ich mach denen mal ’ne Freude.“

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Man merkt schon, dass Ministerpräsident Matthias Platzeck, seit er nicht mehr SPD-Vorsitzender ist, wieder mehr Zeit auch für ausgefallene Termine hat: Freitagabend war er Gast der Jahresköste der Kaufmannschaft Rostock e.V. – einem Festmahl, das auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken kann und sozialen Zwecken dient: Die Teilnehmer müssen tüchtig spenden. Gestört haben dürfte den „Frauenversteher“ (Platzeck über Platzeck) allerdings, dass Frauen zum Festmahl im Rostocker Steigenberger Hotel nicht zugelassen sind. Dafür war es am Freitagmorgen beim gewerkschaftlichen Bundesfrauenkongress im Potsdamer Dorint Hotel, wo Platzeck ebenfalls sprach, umgekehrt: Nur wenige männliche Ehrengäste waren zugelassen – ausgleichende Gerechtigkeit.

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