Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

Im Landtag sorgt man sich, ob am 18. November in Halbe genügend Gegen-Demonstranten kommen werden, um den Nazis Paroli zu bieten. Deshalb ist man für jede Unterstützung von Prominenten dankbar – wie jetzt von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der Christdemokrat kann zwar bei der Anti-Nazi-Demonstration aus Termingründen selbst nicht dabei sein, hat sich aber in die Internet-Unterstützerliste unter Nummer 915 eingetragen: Er habe den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit erlebt, es sei für ihn unerträglich, dass in Halbe Neonazis den Nationalsozialismus verherrlichten. Für die Landes-CDU haben unter anderem Noch-CDU-Chef Jörg Schönbohm und sein Favorit für die Nachfolge, Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns , unterschrieben. In der CDU wird übrigens registriert, dass sich sein Gegenkandidat Sven Petke bisher nicht eingetragen hat.

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Ein Erlebnis der besonderen Art hatte jetzt Burkhard Jungkamp , Staatssekretär im Bildungsministerium. Im Landkreis Oberhavel hielt er einen Vortrag über die neuen Begabtenklassen, die an Brandenburger Gymnasien eingerichtet werden sollen. So war die Bitte an ihn herangetragen worden. Erst als er seinen Vortrag nach einer knappen halben Stunde beendet hatte und zur Diskussion mit dem Publikum übergehen wollte, meldete sich eine Frau aus dem Publikum und wedelte mit der Einladung: „Bin ich hier in der richtigen Veranstaltung – auf einem Forum zum verbesserten Übergang von den Kindertagesstätten zu den Grundschulen?“ Tatsächlich saßen im Raum nur Kita-Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. Jungkamp reagierte auf die Panne spontan: „Ich denke, Sie haben trotzdem etwas gelernt.“ Es sei dann doch noch eine schöne Diskussion geworden, erzählte er später. Das nennt man ganzheitliche Bildungspolitik.

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Potsdams Nein zum Bau des „Landtagsschlosses“ auf dem Alten Markt kam im Landtag gar nicht gut an. Denn die Zustimmung war vielen Abgeordneten im vergangenen Jahr nicht leichtgefallen. So reagierten viele auf das Nein der Stadtverordneten mit Unverständnis. Bei der Eröffnung des neuen Verfassungsgerichtes, das in eine von Karl Friedrich Schinkel entworfene alte Kaserne in Potsdam gezogen ist, mochte Landtagspräsident Gunter Fritsch auf eine Spitze nicht verzichten: Er sei neidisch, dass es hier so gut gelungen sei, Altes mit einer neuen Funktion zu verbinden. Aber noch neidischer sei er, dass Entscheidungen des Verfassungsgerichtes „anders als unsere“ nicht mehr infrage gestellt werden können. Fritsch, der sich für den Parlamentsbau in den Schlossumrissen starkgemacht hatte, stellte klar, dass man kein Schloss bauen wolle: „Dann müssten wir ja noch nach einem König suchen.“

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