Boxen : UNTERM ADLER

Michael Mara

Brandenburgs Polizei ist in die Schlagzeilen geraten. Stichworte sind Kilometervorgaben für Streifenwagen wegen der hohen Benzinkosten, die geplante Schließung von Polizeiwachen und der von den Polizeigewerkschaften angekündigte Dienst nach Vorschrift, weil das Weihnachtsgeld gestrichen werden soll. Die Polizisten wollen deshalb – was den Autofahrern gefallen dürfte – weniger Knöllchen schreiben. Damit über die schlechte Stimmung in der Polizei nichts nach außen dringt, hat der Potsdamer Polizeipräsident Bruno Küpper den Polizisten einen Maulkorb verpasst: Es gebe vermehrt Anfragen zu diesen Themen, stellt er in einem Rundschreiben an die Leiter der Schutzbereiche fest. Durch den RBB sei sogar die Besatzung eines Funkstreifenwagens befragt worden. „Mit weiteren ähnlichen Unternehmungen muss gerechnet werden“, schreibt Küpper. Deshalb sollten die Polizisten „der Presse gegenüber keinerlei Aussagen tätigen“.

Brandenburgs Landräte sind nicht sonderlich gut auf die Landespolitik zu sprechen: Es geht vor allem ums Geld, erst jüngst trat Uckermark-Landrat Klemens Schmitz deshalb aus der SPD aus. Jetzt grummelt es auch in Teltow-Fläming, dem märkischen Vorzeigekreis mit dem größten Wachstum in Ostdeutschland. Man ist ziemlich erbost darüber, dass hier allein zwei der sechs von CDU-Innenminister Jörg Schönbohm im Land zur Disposition gestellten Polizeiwachen geschlossen werden sollen. Und auch bei der Gerichtsreform von Justizministerin Beate Blechinger werde am Ende wohl die einzige Gerichtsschließung Teltow-Fläming treffen, befürchtet man. SPD-Landrat Peer Giesecke findet die Schließungspläne der beiden CDU-Minister jedenfalls ziemlich merkwürdig. In kleiner Runde orakelte er, dass es womöglich parteipolitische Hintergründe geben könnte: „Vielleicht will man den erfolgreichsten Landkreis trockenlegen, weil man uns den Erfolg nicht gönnt.“

Im Landtag ist eine Ausstellung mit Fotos der verstorbenen Regine Hildebrandt eröffnet worden. Die Schnappschüsse aus dem Berufsalltag hat ihr langjähriger Fahrer Rainer Karchniwy gemacht, der jetzt SPD-Fraktionschef Günter Baaske durchs Land kutschiert und durchaus Gemeinsamkeiten zwischen beiden Politikern registriert hat: „Er krümelt genauso wie sie und kann im Auto keine Ordnung halten.“ Mit der Ordnung ist das aber so eine Sache: Baaske erinnerte sich bei der Vernissage, dass Hildebrandt ihn ihrer Familie vorstellen wollte. Man hatte sich am Kloster Chorin verabredet. Dass Baaske in Anzug und Krawatte erschien, gefiel der SPD-Politikerin, die auf Äußerlichkeiten keinen großen Wert legte, gar nicht. Sie wollte ihrer Familie einen legeren und bodenständigen Genossen vorstellen, keinen geschniegelten Typen. Dabei macht sich Baaske bis heute nichts aus Anzügen und trägt sie nur, wenn es nicht anders geht.

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