Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Geschenke sagen bekanntlich einiges aus über jene, die sie bekommen, aber eben auch über die, die sie verschenken. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) verschickte kurz vor Weihnachten an Brandenburger Landtags-Abgeordnete von SPD, CDU und PDS einen farbenfrohen Foto-Kalender – als „Dankeschön für Ihr Engagement“. Das Unternehmen, das gerade die Preise für Busse und Regionalbahnen erhöht hat, scheute für die Gaben keine Mühe. Unter dem Titel „Ansichten zur Qualität“ ist jedes einzelne Exemplar individuell für den Empfänger hergestellt – mit personenbezogenen Fotomontagen: Da prangt dann auf schnittigen Regionalexpress-Zügen oder Bahnhofsschildern der Name des beschenkten Politikers. Wer auf so eine Idee kommt, muss gute Gründe zu der Annahme haben, dass Politiker besonders eitel sind – und ihre Namen möglichst oft und überall sehen wollen.

Öffentlich-private Partnerschaften sind bei Projekten bekanntlich in Mode: Dass man diese sogar in einer Person vereinen kann, demonstrierte jetzt Thomas Melzer, Sprecher von Brandenburgs Justizministerium: Der Beamte verschickte unter dem Briefkopf des Ministeriums Weihnachtsgrüße an diverse Redaktionen - und wies darin auf ein Begleitschreiben hin. Es handelte sich dabei um einen humoristischen Text aus Melzers Feder, in dem er über die „Vielfalt der Klingeltöne“ in Brandenburgs Haftanstalten und Gerichten fabulierte. Nur, dass der Pressesprecher-Beamte für diesen Text bei Abdruck ein Honorar erwartete und seine private Bankverbindung angab. Was ihm nun manchen Spott einbringt, etwa den, dass er wohl vorsorglich das Weihnachtsgeld verdienen wollte, das Brandenburgs Beamten gestrichen werden soll. Melzer leistet Abbitte: „Es war ein Fehler.“

Der Ort, an den sich Brandenburgs Kabinett wenige Tage vor Heiligabend zog zur Sparklausur zurückzog, war treffend gewählt: Das Romantik-Hotel „Alte Försterei“ in Kloster Zinna, in dem „die Zeit an Wert“ gewinne und man „Harmonie und Muße zum Seele streicheln“ habe, wie es in der Werbung des Hauses heißt. Tatsächlich ging es anders als bei früheren Rotstift-Runden der Brandenburger Regierung überaus friedlich zu. Der Grund: Finanzminister Rainer Speer (SPD) hatte ganze Vorarbeit geleistet, wie selbst Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) im Anschluss lobte. Speer warf eine Dia-Präsentation über die finanzielle Entwicklung an die Wand, mit Tabellen, wo gekürzt werden könnte und wo nicht. Die Präsentation endete mit einer Aufstellung, wie viele Millionen jedes Ministerium 2008/2009 einsparen müsste – und kein Komma wurde daran vom Kabinett mehr geändert. So konnte man in Ruhe über den Personalabbau in der Landesverwaltung, die Weihnachtsgeld-Streichung für Beamte und andere Fragen diskutieren. Vor allem aber labte sich die Runde an Jüterboger Landgans. Nicht auf Staatskosten allerdings – jeder zahlte 40 Euro.

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