Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Was für Matthias Platzeck Finnland und Niederösterreich ist, scheint für Gunter Fritsch neuerdings Bremen zu sein. So ließ es sich der Landtagspräsident nicht nehmen, dem SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen persönlich zur erfolgreichen Landtagswahl zu gratulieren. In seinem Brief an den Genossen bekannte Fritsch: „Was die Koalition mit der CDU angeht, haben wir viel von euch gelernt.“ Nämlich, dass sie ein „Projekt der Versöhnung des Bürgertums und der Sozialdemokratie“ und „eine Vernunftehe zur Haushaltskonsolidierung“ sei. Seiner Einladung zum „zünftigen Abendessen“ nach Brandenburg allerdings wird Böhrnsen wegen der Regierungsbildung in nächster Zeit kaum folgen können. Aber der Grund für Fritschs Nord-Diplomatie ist ohnehin eher historischer Natur: Bremen und seine neue Wahlheimat Brandenburg an der Havel gehören zur Gilde ehrwürdiger Rolandstädte. Seine Wette, dass der Brandenburger Roland größer als der in Bremen sei, hat Fritsch allerdings verloren.

In Brandenburgs Politik geht es derzeit eher geruhsam zu: Es gibt keine großen Affären, keine Regierungskrisen, aber auch keine großen Projekte, die angepackt werden. Vielleicht ist das der Grund, dass unter Politikern die Reiselust ausbricht. Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), der gerade Israel und Österreich besuchte und vorher kurz in England war, bricht am Montag nach Rumänien auf, übrigens vom Flughafen Tempelhof aus. Für den Ministerpräsidenten, der in Osteuropa Außenpolitik macht, ist es gewiss nicht der letzte Trip in diesem Jahr. Dabei galt Platzeck einmal als „Reisemuffel“. Sein Vize und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) ist gerade für ein paar Tage im fernen Japan, begleitet vom Potsdamer IHK-Hauptgeschäftsführer Rene Kohl, der früher sein Ministerbüro leitete. Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) machte gerade einen Abstecher nach England, um dort Mindestlöhne zu studieren. Die Parlamentarier können da nicht nachstehen: Nächste Woche bricht eine kleine Landtagsdelegation ins österreichische Graz auf, um sich dort für das Projekt eines „papierlosen Landtags“ zu informieren.

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