Boxen : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner lüftet zwei Brandenburger Briefgeheimnisse

Thorsten Metzner

Jörg Schönbohm, der CDU-Innenminister in Brandenburg, konnte sich jetzt über besondere Post freuen. Absender war Hartmut Mehdorn. Schönbohm, der nächstes Jahr den Vorsitz der Innenministerkonferenz übernimmt, hatte sich an den Bahnchef mit einer persönlichen Bitte gewandt: Er will die Ressortkollegen aus den anderen Bundesländern und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble unbedingt im aufwendig restaurierten Potsdamer Kaiserbahnhof unweit des Schlossparks Sanssouci tagen lassen. Dort betreibt die Deutsche Bahn ein exklusives Schulungszentrum. Fremde lässt sie gewöhnlich nicht hinein. Selbst für die Innenministerkonferenz wollten die Zuständigen des bundeseigenen Unternehmens zunächst keine Ausnahme machen, bis Schönbohm direkt bei Mehdorn anfragte. „Er hat zugesagt“, berichtete Schönbohm stolz. Was nur wenige wissen: Beide sind lange befreundet.

Der Ton macht bekanntlich die Musik. Umso mehr wunderten sich Honoratioren im Lande über ein Schreiben der von Clemens Appel geführten Staatskanzlei, genauer gesagt, der ihr unterstellten Brandenburger Landesvertretung beim Bund in Berlin. Es ging um eine Routineangelegenheit, die Adressverwaltung sollte erneuert werden. Dafür wurde um aktuelle Anschriften und um die E-Mail-Adresse gebeten, um künftig Einladungen auch elektronisch verschicken zu können. „Bitte teilen Sie uns auch mit, wenn Ihre Daten gelöscht werden sollen“, hieß es. Auch ein Rücksendetermin wurde genannt, der 31. August. So weit, so gut. Dann aber ändert sich der Ton. „Sollten wir nichts von Ihnen hören, gehen wir davon aus, dass Sie kein Interesse an unserem Veranstaltungsprogramm haben.“ Kein Interesse? Wer in den Ferien ist oder den Brief übersieht, fliegt raus. Harte Sitten im Brandenburgischen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben