Boxen : Unterm Kirschbaum im Havelland

NAME

Von Claus-Dieter Steyer

Werder (Havel). Das Make-up hielt trotz Regen und Wind. „Alles eine Frage der Vorbereitung“, meinte die Königin des gestern in Werder eröffneten 123. Baumblütenfestes, Anika Dumitrescu. „Ich habe gut geschlafen und mich lange auf meinen ersten Auftritt vorbereitet.“ Die 28-jährige Mitinhaberin eines Naturkostladens in der Stadt Brandenburg war auf dem traditionellen Blütenball aus vier Bewerberinnen ausgewählt worden. Neben Kenntnissen über die Region und den Weinanbau zählte für die Jury, in der Vertreter der Sponsoren und des Obst- und Gartenbauvereins saßen, eine starke Ausstrahlung der Baumblütenkönigin. „Die habe ich“, sagte Anika Dumitrescu selbstbewusst.

Rund 60 Auftritte kommen in den nächsten zwölf Monaten auf sie zu. Unter anderem wirbt sie auf der Grünen Woche, bei Volksfesten und auf der Internationalen Tourismusbörse für Werder. „Leider stellten sich in diesem Jahr nur vier Kandidatinnen zur Wahl“, erklärte Bürgermeister Werner Große (CDU). „Irgendetwas stimmt mit unseren Mädchen nicht. Vielleicht sind sie einfach zu schüchtern.“ Auch die aktuelle Baumblütenkönigin stammt nicht aus Werder und Umgebung, sondern aus Ketzin am anderen Havelufer. Aber sie wohnt schon einige Zeit in der Feststadt. Baumblütenköniginnen wurden bis 1938 und dann erst wieder ab 1989 gewählt.

In den nächsten Tagen wird der Bürgermeister in ungewohnter Mission unterwegs sein. Auf einer privaten Internetseite waren unter dem n „Baumblütenfest“ mehrere Nacktfotos verbreitet worden. „Der Name unseres Festes ist jedoch gesetzlich geschützt“, stellte Große klar.

Bis zum 5. Mai werden auf acht Bühnen täglich Programme unterschiedlicher Art geboten. Am Montag und Dienstag treten jeweils um 19.30 Uhr die legendären Ostrockbands „City“ und „Puhdys“ auf der Bühne an der Regattastrecke auf. Mittwoch und Sonnabend kommen Anhänger von Rednex, Ayman und Mr. President auf ihre Kosten.

Die Stadt rechnet mit mehr als einer halben Million Besucher. Rund 50 000 haben sich schon am ersten Tag trotz wechselhaften Wetters mit Schauern nicht von einem Festbesuch abhalten lassen. Den Auftakt des traditionellen Festes bildete ein Umzug mit bunt geschmückten Wagen durch die weiten Obstplantagen. 40 Gruppen beteiligten sich daran.

400 Händler haben ihre Stände aufgebaut, über 100 bieten Obstweine in allen denkbaren Sorten an. 32 Obstbauern öffnen ihre Gärten. Süßkirsch- und Pflaumenbäume stehen in voller Blüte und sorgen für eine prächtig weiß und rot gefärbte Landschaft. Eine Buslinie bringt die Gäste vom Bahnhof Werder aus durch die Ortsteile Glindow, Plötzin und Plessow direkt in die blühenden Anlagen. Neben Wein gibt es Kaffee, Kuchen, Schmalzstullen und Grillwürste. Die Busse starten an den Wochenenden und am 1. Mai alle 30 Minuten, sonst stündlich.

Für die Fahrt nach Werder empfiehlt sich nicht nur wegen der hochprozentigen Getränke die Anreise mit Bahn, Bus oder Schiff. Zu den Stoßzeiten kommen alle 20 Minuten Züge aus Potsdam und Berlin an. Die Weiße Flotte pendelt von Potsdam über Caputh nach Werder. Die Stern- und Kreisschifffahrt legt um 11 Uhr in Wannsee (Bahnhof) ab und trifft um 13.30 Uhr in Werder ein. Zurück geht es dreieinhalb Stunden später.

0 Kommentare

Neuester Kommentar