Boxen : Unwürdiges Gezerre

Das Gezerre um das Bollhagen-Museum ist kaum nachzuvollziehen. Da hat Brandenburg endlich eine Künstlerin von internationalem Ruf und dennoch will eine Präsentation des wertvollen Nachlasses nicht gelingen. Das hat die trotz vieler Ehrungen stets bescheiden gebliebene Frau, deren Teller, Tassen und Vasen nach wie vor reißenden Absatz finden, nicht verdient. Es beschädigt das Andenken an eine bewundernswerte Künstlerin, die noch im hohen Alter in ihrer Marwitzer Werkstatt die Fäden zog. Mehr als drei Jahre kann man nicht über die Art einer Präsentation streiten.

Doch bei Hedwig Bollhagen wiederholt sich das Drama um Erwin Strittmatter. Beide wurden nach der Wende hoch dekoriert und nach Bekanntwerden ihres Wirkens während der NS-Diktatur wie heiße Kartoffeln fallen gelassen. Bei Strittmatter liegt der Fall natürlich weitaus schwerer, weil er in einer der SS unterstellten Einheit gedient hatte.

Doch wirkliche Aufklärung über die brisanten Abschnitte beider Biografien erfährt bislang niemand in irgendeiner Ausstellung. Dabei fehlt es in Brandenburg nicht an fachlicher Kompetenz. Wissenschaftler der Universität Potsdam melden sich schließlich zu allen möglichen Fragen zu Worte. Für sie wäre eine Dokumentation einzelner Etappen der Biografie sicher kein Problem, um auch der jüngeren Generation einen lebendigen Geschichtsunterricht zu ermöglichen.

Auch das Brandenburger Kulturministerium, das sich für besonders clever hält und sich nach eigenem Bekunden aus dem Streit zwischen Potsdam und der Bollhagen-Gesellschaft heraushält, kann sich so nicht aus der Verantwortung stehlen. Dafür ist die mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Künstlerin viel zu wichtig für das Image des Landes.

Vielleicht hilft tatsächlich ein Neubeginn der Debatte um einen Museumsstandort außerhalb von Potsdam, denn hier scheinen sich die Beteiligten im Laufe der Jahre festgefahren zu haben. Gute Bewerber gibt es mit Velten und Oranienburg. Beide liegen ganz nahe an der ursprünglichen Wirkungsstätte von Hedwig Bollhagen. Potsdam braucht diese Ausstellung nicht um jeden Preis, die anderen Orte könnten jede zusätzliche Werbung gut gebrauchen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar