Boxen : Venedig in Potsdam

Die diesjährigen Musikfestspiele widmen sich im Juni der Stadt am Canale Grande

Frederik Hanssen

Ja, es stimmt wirklich: In Venedig gab es mal 23 Opernhäuser! Das war im 18. Jahrhundert, die Gattung des Musiktheaters war noch jung – und die Bewohner der Lagunenstadt hungrig nach virtuosen Arien und spektakulären Bühneneffekten. Überhaupt erlebte die Musik im Barockzeitalter im reichen Stadtstaat Venedig eine ungeheure Blüte, in den zahllosen Kirchen und Klöstern der Stadt fanden Meisterkomponisten wie Antonio Vivaldi oder Tommaso Albinoni nicht nur Lohn und Brot, sondern auch bestens geschulte Musiker für ihre Aufführungen.

Wenn also die auf Barockmusik spezialisierten Musikfestspiele Potsdam- Sanssouci in diesem Frühsommer unter dem Motto „Venedig – musica serenissima“ stehen, dann darf man sich auf ein Programm von exquisiter Pracht einstellen: 35 Veranstaltungen bringen vom 6. bis 22. Juni alle Facetten der Musikstadt Venedig in die Schlösser der weitläufigen Parkanlage. Das Festival beginnt gleich mit einer Rarität: In der Friedenskirche erklingt ein Oratorium von Girolam Vernier, einem adligen Liebhaberkomponisten, der 1749 am Canale Grande den Palazzo dei Leoni errichten ließ, jenen „Löwenpalast“, in dem heute das Museum der Peggy Guggenheim residiert.

Auch die moderne Löwin von Venedig darf natürlich nicht fehlen: Donna Leon, Erfinderin des Commissario Brunetti, ist am 7. Juni im Nikolaisaal zu erleben, mit Musik ihres Lieblingskomponisten Händel, umrahmt von Alan Curtis und dem „Complesso barocco“. Die alljährliche Opernpremiere am 10. Juni im Schlosstheater des Neuen Palais ist diesmal Francesco Cavalli gewidmet: Alexander Schulin zeichnet als Regisseur für die erste szenische Aufführung von „La Rosinda“ seit 350 Jahren verantwortlich.

Bei der „italienischen Nacht“ am 14. Juni soll sich vor der Orangerie ein karnevaleskes Commedia-Treiben entfalten, der 21. Juni ist ganz Vivaldi gewidmet, beim Abschlusskonzert unter freiem Himmel geht es dann von Verdis Opern, die in Venedig uraufgeführt wurden, bis zu James Bonds „Casino Royale“. Es darf mit einem Publikumsandrang gerechnet werden, der dem Gedrängel am Markusplatz in nichts nachsteht. Frederik Hanssen

Der Vorverkauf läuft. Informationen unter (0331) 288 88 28 oder www.musikfestspiele-potsdam.de

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