Boxen : Verletzte bei Krawall im Stadion

Elf Festnahmen beim Oberligaspiel Tennis Borussia gegen BFC Dynamo

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Nach einer Stunde begann im Mommsenstadion die Randale. Ein Feuer brannte, Bierbecher flogen, die Polizei schritt ein, im Lagebericht der Beamten lauteten die Fakten am nächsten Morgen so: 14 Strafanzeigen, elf Festnahmen, acht leicht verletzte Polizisten. „Das war wie im Krieg“, sagte Rico Schinzel, Wirtschaftsratsvorsitzender des BFC Dynamo.

Eigentlich sollte es am Freitagabend im Charlottenburger Mommsenstadion um Fußball gehen. In der viertklassigen Oberliga traf der ehemalige Bundesligist Tennis Borussia im Spitzenspiel auf den BFC Dynamo, DDRRekordmeister und einst als Stasi-Verein bekannt. Auf den Tribünen standen 1500 Fans, sehr viele für ein Berliner Oberligaspiel. Die Polizei teilte gestern mit, dass sich im Gästeblock des BFC „etwa 250 Problemfans“ befanden, darunter „50 Personen der Kategorie C“. Das ist die interne Bezeichnung für Hooligans; nach wie vor gilt die BFC-Szene bei der Polizei als gewaltbereit.

Als es nach einer Stunde jedoch zu den Ausschreitungen kam, war keine Schlägerei zwischen den Fangruppen vorausgegangen. Im Gästeblock brannte nach Augenzeugenberichten eine Bengalische Fackel, die Beamten seien daraufhin eingeschritten, um das Feuer zu löschen. Nach Angaben der Polizei wurden die Beamten dann mit Bierbechern beworfen. „Die hätten nicht in den Block gehen müssen“, sagt Rainer Lüdtke, Fanbeauftragter des BFC Dynamo. „Das führte dazu, dass die Situation eskaliert.“ Nach seinen Angaben wurden „unbeteiligte Fans gestoßen und beleidigt“. So hätten Polizisten die BFC-Fans als „Nazis“, „Ossis“ und „Unioner“ bezeichnet. Der 1. FC Union ist der Erzfeind von Dynamo. Als deren Klub vor einigen Wochen im Mommsenstadion spielte, war es ebenfalls zu Ausschreitungen mit der Polizei gekommen, die daraufhin kritisiert wurde. „Das durften wir nun ausbaden“, behauptet Lüdtke. Er sei zu Boden gestoßen worden und habe Schläge mit einem Gummiknüppel an Kopf und Knie erhalten; auch der BFC-Wirtschaftsratsvorsitzende Schinzel klagt über Schläge mit einem Knüppel in den Magen. „Dabei wollten wir nur schlichten“, sagt Schinzel. Er arbeitet bei Mercedes-Benz am Potsdamer Platz als Leiter der Controlling-Abteilung. Ob man Beschwerde bei der Polizei einreiche, werde nun geprüft.

Die Polizei wartet erst einmal auf den Bericht ihrer „Ermittlungsgruppe Hooligans“, die nach Fanangaben „beruhigend“ auf ihre behelmten Kollegen eingeredet haben soll. Die Polizei sagt jedoch in einer ersten Stellungnahme: „Wir haben keine acht verletzten Kollegen, weil die sich selbst schlagen“. Die Fans wollen Atteste und Fotomaterial sammeln, um den Einsatz zu dokumentieren. Das Fußballspiel unten auf dem Rasen endete übrigens unentschieden 0:0. AG

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