Boxen : Video soll Mörder aus dem Wald überführen

Bilder einer Überwachungskamera des Spandauer Johannesstifts zeigen Radfahrer, auf den die Täterbeschreibung des Opfers passt

Rainer W. During
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Das Acht-Sekunden-Video. Ein Mann in weißer Kleidung fährt aufs Gelände. Foto: Tsp

Berlin - Die Aufnahme der Überwachungskamera des Evangelischen Johannesstifts gibt nur ein vages Bild, doch der Mann auf dem Fahrrad ähnelt auffällig der Beschreibung des Mörders, die die 39-jährige Kirsten S., die am Morgen des 20. Juni bei Sportübungen im Spandauer Stadtforst niedergestochen wurde, noch kurz vor ihrem Tod abgegeben hat. Die am Mittwoch von der Polizei veröffentlichten Videobilder zeigen einen weiß gekleideten jungen Mann auf einem Fahrrad kurz vor der Pförtnerloge der diakonischen Einrichtung an der Schönwalder Allee, auf deren Gelände sich neben einer Klinik und einem Altenheim zahlreiche Therapie-Einrichtungen unter anderem für Jugendliche aus Problemfamilien befinden. Für Hinweise zur Ergreifung des Täters hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgelobt.

Eine Woche lang hat die Polizei die Videoaufzeichnung ausgewertet und versucht, die Bilder zu vergrößern. Viel ist von dem Radler nicht zu erkennen, der am vorletzten Sonnabend gegen 8.50 Uhr aus Richtung Tatort kommend von der Schönwalder Allee in den rund um die Uhr geöffneten Stiftseingang abbog. Sein Erscheinungsbild ähnelt der Täterbeschreibung. Der Unbekannte soll etwa 16 bis 20 Jahre alt, circa 1,75 Meter groß und schlank sein. Er trug lange weiße Hosen, ein weißes Oberteil und fuhr ein auffällig rotes Fahrrad.

Die Ermittler nehmen an, dass der Radfahrer das Areal der Stifts zumindest kannte, sagt Stiftssprecher Tobias Kley. „Wir hoffen natürlich, dass er hinten wieder raus ist“. Einen knappen Kilometer von der Schönwalder Allee entfernt gibt es an der Wichernstraße einen zweiten Zugang. Die dortige Überwachungskamera war leider defekt, ebenso eine weitere Kamera an der Pförtnerloge selbst, die den Radfahrer deutlicher erfasst hätte.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung durch die Polizei hat das Stift das Überwachungsvideo im internen Intranet an seine Mitarbeiter verschickt. Es habe jedoch noch keinen Hinweis gegeben, so Kley. Im Stift – der größten diakonischen Einrichtung Berlins – ging gestern alles seinen gewohnten Gang. Rund 1600 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Etwa 1400 Menschen leben in den verschiedenen Wohn- und Pflegeeinrichtungen, meist Senioren und Behinderte. Seniorinnen flanieren mit Rollatoren auf den von Platanenbäumen gesäumten Wegen. Jungen und Mädchen aus der Evangelischen Schule sind zu Fuß und mit Fahrrädern auf dem Heimweg. Angst hätten sie nicht, sagen zwei ältere Damen, die auf einer Bank sitzen. Doch Tobias Kley weiß, dass es auch Beunruhigung unter Bewohnern und Beschäftigten gibt. Schließlich sei der Tatort nur 500 Meter entfernt. Weil der Mörder von Kirsten S. noch flüchtig ist, würde mancher aus dem Stift jetzt auf den gewohnten Spaziergang dort verzichten.

Gestern gingen bei der 7. Mordkommission zu dem Video erst wenige Hinweise ein. Wer den Radfahrer kennt oder sonstige Angaben zu der Person machen kann wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

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