Boxen : "Villa Kellermann": Wieder Zwangspause

Bernd Matthies

Der Krieg um die "Villa Kellermann" am Heiligen See geht in eine weitere Runde. Wie im letzten Winter musste Maximilian Dreier, der Pächter des Restaurants im Haus, den Betrieb jetzt wegen der Kälte einstellen. Beauftragte des Hausbesitzers Johannes Rey haben die Heizung abgestellt, das Wasser abgelassen und den Eingang zum Heizungskeller verbarrikadiert - entgegen einschlägigen Anordnungen von Landgericht und Oberlandesgericht, die eine Mindest-Raumtemperatur von 20 Grad fordern. Der Wirt teilte mit, er werde den Betrieb am 1. März mit einem Venezianischen Karneval wieder aufnehmen.

Dreier zahlt jetzt zwar wegen Unbenutzbarkeit der Räume keine Miete mehr, ist aber darüber hinaus mit seinem juristischen Latein am Ende. Einstweilige Verfügungen sind praktisch nicht zustellbar, denn die Anwälte, die für den Hausbesitzer in Potsdam mehrere Prozesse führen, erklären sich als nicht zeichnungsberechtigt, und Rey selbst hat sich in Deutschland abgemeldet. Im Interview mit den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" hatte er im November erklärt, er halte sich in Peschiera am Gardasee auf, um Marmor für die Spielbank auszusuchen, die er am 21. April - dem Buga-Beginn - in der Villa Kellermann eröffnen werde. "Hier bin ich erreichbar," sagte er, "wie ich mittlerweile erfahren habe, kann das aber Monate dauern. Dann ist es längst wieder warm im von mir so geliebten Potsdam."

In einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung (per Telekom-Fax, aus "83435 Bad Reichenhall, Grenzübergang D/A") interpretierte Rey die vorläufige Schließung des Restaurants in ähnlicher Weise wie im vorangegangenen Jahr: Der Pächter habe "offensichtlich aufgegeben", das Lokal "klammheimlich" geschlossen, die Tische abgeräumt, die Vorräte und Teile der Einrichtung abtransportiert. Dreier dazu: Er habe selbstverständlich die verderblichen Lebensmittel entfernt und die Möbel zur Reinigung der Räume zusammengestellt.

Die Pläne Reys, in der "Villa Kellermann" eine Spielbank zu eröffnen, gelten in Potsdam als Luftschloss. Einerseits steht fest, dass die einzige Potsdamer Spielbank im alten Cornelius-Club in der Breiten Straße eröffnet wird, andererseits ist gerichtlich klargestellt, dass Dreiers Pachtvertrag für das Restaurant bis 2010 rechtswirksam ist. Für Rey gelten diese Argumente nicht: Er bezeichnet Dreier als Strohmann eines geheimnisvollen "Insiders", der ihm das Haus abjagen und dort selbst eine Spielbank einrichten wolle.

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