Boxen : Vorbild Dresden

Wie für die Frauenkirche wird für die Garnisonkirche weltweit gesammelt – vom Traditionsverein kommt nichts

Thorsten Metzner

Am 14. April nächsten Jahres soll der Grundstein für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gelegt werden – wenn die Spendensammler erfolgreich sind. Am Donnerstag haben Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) und Wolfgang Huber, der Bischof von Berlin-Brandenburg einen weltweiten Spendenaufruf gestartet, um die 1945 zerstörte Kirche bis 2010 wieder zu errichten. Vorbild ist die Spendensammlung für die Dresdener Frauenkirche. Die Baukosten werden auf 50 Millionen Euro geschätzt. Und schon jetzt ist klar: Die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) wird die bereits gesammelten rund 5,7 Millionen Euro Spenden vorerst nicht für den Aufbau der Garnisonkirche zur Verfügung stellen. Das bestätigte der TPG-Vorsitzende Max Klaar am Freitag. Die Traditionsgemeinschaft beharrt auf ihren Forderungen. Dazu gehört, dass in der Kirche keine homosexuellen Paare gesegnet werden und das Gotteshaus nicht für Kirchenasyl und feministische Theologie offen sein darf.

Die Evangelische Kirche, das Land, die Stadt und der Industrieclub Potsdam wollen die Kirche als „offene Stadtkirche“ und „Zentrum für Frieden und Versöhnung“ errichten. Dafür hoffen sie „auch auf Unterstützung aus den Staaten, die an dem von uns Deutschen entfesselten Zweiten Weltkrieg beteiligt waren.“

Um das Versöhnungszentrum, das die Traditionsgemeinschaft ablehnt, hatte es jahrelang Auseinandersetzungen gegeben. Den öffentlichen Streit will auch die Traditionsgemeinschaft beenden. Ihr Vorsitzender begrüßte sogar ausdrücklich die jüngsten Entwicklungen: „Wir freuen uns riesig.“ Schließlich soll nach dem neuen Modell die gesamte Garnisonkirche wieder aufgebaut werden, wie es die TPG immer wollte. Bislang war nur der Aufbau des Turms vorgesehen. Zum anderen, weil die aufgebaute Barockkirche bis in die Spitze dem historischen Vorbild entsprechen soll.

Die Evangelische Kirche plante ursprünglich, die Spitze des 88 Meter hohen Wahrzeichens mit einem Versöhnungssymbol zu krönen, mit dem „Nagelkreuz“ aus dem von deutschen Bombern zerstörten Coventry. Jetzt soll das „Nagelkreuz“ neben dem Eingang aufgestellt werden. Die TPG sei zur Mitwirkung an dem neuen Modell eingeladen, betonte Hans Rheinheimer, der Vorsitzende des Potsdamer Industrieclubs. Mit ihrem Geld rechne man derzeit nicht.

Rheinheimer und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sind optimistisch, dass der neue Spendenaufruf Gehör findet. Mäzene aus der Wirtschaft hätten bereits ihre Spendenbereitschaft signalisiert. „Allein die Tatsache, dass man einen Anfang macht, setzt Energie frei“, sagte Jakobs.

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