Boxen : Wälder sind trocken wie Zunder

Bald Sperrungen wegen der hohen Brandgefahr? Land will mehr Überwachungskameras installieren

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Brandenburgs Wälder trocknen bei den hochsommerlichen Temperaturen aus. Damit steigt die Waldbrandgefahr. In neun der 14 Landkreise hat das Landesumweltministerium die zweithöchste Warnstufe III ausgerufen. Noch an diesem Wochenende oder spätestens Anfang nächster Woche wird mit der Warnstufe IV gerechnet. Dann können die Forstämter die Wälder sperren lassen, um das Risiko von Bränden zu minimieren.

Keine Warnstufe herrscht derzeit lediglich in der nordöstlich Berlins gelegenen Uckermark. Hier profitiert die Natur noch von den reichlichen Niederschlägen im Juli. Gräser und andere Pflanzen zeigen sich hier noch im saftigen Grün. Die erste Warnstufe gilt für die Landkreise Oder-Spree und Märkisch-Oderland im Südosten und Osten Berlins sowie rund um die Stadt Frankfurt (Oder). Für den nördlich an Berlin grenzenden Kreis Barnim, der auch weite Teile der Schorfheide umfasst, wurde die dritthöchste Stufe II ausgerufen.

„Wir appellieren an die Ausflügler, keine offenen Feuerstellen im Wald anzufachen“, sagte gestern der Sprecher des Potsdamer Innenministeriums. „Das Wegwerfen von Kippen ist ohnehin untersagt.“ Im Vorjahr wurden fast alle der 718 registrierten Waldbrände durch Menschenhand ausgelöst. Die Feuer vernichteten 617 Hektar Wald. In diesem Jahr gab es dank der feuchtenWitterung bislang noch keine großen Brände.

Brandenburg gilt wegen der vorherrschenden Mono-Kultur an Kiefernwäldern als besonders gefährdet. Kiefern nehmen nur wenig Feuchtigkeit auf und brennen wie Zunder. Ein Drittel aller Waldbrände in Deutschland bricht in Brandenburg aus.

Da der begonnene Umbau großer Flächen zu Mischwäldern erst in vielen Jahrzehnten Erfolge zeigen wird, verstärkt das Land die Überwachung der Wälder mit Kameras. Diese schicken von einem Mobilfunkturm Tag und Nacht Bilder an einen elektronischen Rechner, der die gesendeten Graustufen analysiert und bei Verdacht auf einen Waldbrand automatisch Alarm auslöst. In den Forstzentralen erscheinen auf Bildschirmen die Filme mit Uhrzeit und Position. Die Zentrale alarmiert dann die Feuerwehr.

In einem dreijährigen Experiment in der Region um Peitz hatte sich gezeigt, dass die Kameras viel zuverlässigere Ergebnisse als die Waldbrandbeobachter liefern. Zwei Partner machten das Projekt möglich: Die Europäische Union finanzierte die dreijährige Testphase, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt stellte ein Kamerapatent zur Verfügung. Die meisten der geplanten 120 bis 130 Kamerasysteme zum Stückpreis von rund 75 000 Euro werden im Süden Brandenburgs montiert. Dort ist die Brandgefahr wegen der Sandböden und der ausgedehnten Kiefernwälder erfahrungsgemäß besonders hoch.

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