Boxen : Wahlprognose: Brandenburgs SPD legt in der Wählergunst weiter zu

Michael Mara

Brandenburgs SPD hat in der Wählergunst ihren Vorsprung vor der CDU ausgebaut. Bei Landtagswahlen am kommenden Sonntag würden die Sozialdemokraten auf 45 Prozent der Stimmen kommen, die CDU auf 25 Prozent, ergab eine am Dienstag in Potsdam veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest im Auftrag des SPD-Landesverbands. Während der Abstand zwischen SPD und CDU bei der Landtagswahl 1999 auf knapp 13 Prozentpunkte geschmolzen war, ist er inzwischen auf 20 Punkte angewachsen. Das geht aus dem jüngsten Umfrage zur politischen Stimmung im Land hervor. Danach könnte die SPD, würde heute gewählt, mit 45 Prozent der Stimmen rechnen (1999 = 39,3), wäre also wieder nahe an die absolute Mehrheit herangekommen. Die CDU erhielte 25 Prozent (1999 = 26,5). Die größten Verluste müsste die PDS als einzige ernstzunehmende Oppositionspartei im Landtag hinnehmen: Sie bekäme 21 Prozent der Stimmen (1999 = 23,3).

Für SPD-Landeschef Matthias Platzeck ist aufgrund der Ergebnisse die absolute Mehrheit seiner Partei bei der nächsten Landtagswahl "keine Phantasterei". Die SPD werde "mit aller Kraft" darauf hinarbeiten, ab 2004 wieder allein regieren zu können. Man sehe sich auch dadurch bestärkt, dass inzwischen wieder eine Mehrheit der Brandenburger eine Alleinregierung der SPD begrüßen würde. Laut Umfrage sind 46 Prozent dafür, 44 Prozent dagegen. Vor der letzten Landtagswahl hatten hingegen 51 Prozent der Brandenburger für die große Koalition plädiert. Selbst eine knappe Mehrheit der SPD-Anhänger erwartete damals, dass die Zukunftsprobleme Brandenburgs mit einer Beteiligung der CDU an der Landesregierung besser lösbar seien. Grafik: Die Infratest-Sonntagsfrage Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Zufriedenheit mit der Koalitionsregierung in Grenzen hält: Nach anderthalb Jahren sind nur zwei Prozent mit ihr "sehr zufrieden" und 45 Prozent "zufrieden". Hingegen sind 48 Prozent mit ihr "weniger" oder "gar nicht zufrieden". Die einstige SPD-Alleinregierung hatte lange Zeit bessere Werte erzielt: So bewerteten noch 1998 rund 65 Prozent ihre Leistungen als gut. Aus der aktuellen Umfrage geht nicht hervor, wie die Leistungen von SPD und CDU in der großen Koalition im Einzelnen beurteilt werden. Auch wird nicht nach den Gründen für die Ernüchterung über die große Koalition gefragt. Allerdings sind 40 Prozent der Meinung, dass die SPD die wichtigere Rolle in der Koalition spiele. Nur 13 Prozent billigen sie der CDU zu. 38 Prozent meinen, beide Parteien spielten eine gleich wichtige Rolle. Platzeck betonte, dass die SPD keinen Anlass sehe, an der Koalition "zu deuteln" oder sie gar vor 2004 aufzukündigen, auch wenn wieder eine Mehrheit für eine SPD-Alleinregierung sei. Die spannende Frage, ob mit Ministerpräsident Stolpe oder "Kronprinz" Platzeck an der Spitze, wurde in der Umfrage nicht gestellt.

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