Boxen : Weltkulturerbe: Auf diese Schlösser und Gärten schaut die ganze Welt

Reinhart Bünger

Die Schlösser und Gärten Potsdams und die mit ihnen verbundene Landschaft gehören heute seit zehn Jahren zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen hatte am 12. Dezember 1990 - und damit noch zu Zeiten der Teilung - die "ideale" Landschaft zwischen Pfaueninsel und Wildpark als besonders schützenswert in ihre Weltkulturerbeliste aufgenommen. Das Jubiläum soll heute mit einem Festakt im Schlosstheater im Neuen Palais begangen werden. Dabei werden auch die Instandsetzungs- und Erhaltungsarbeiten dokumentiert.

Nach Einschätzung von Experten ist der größte Teil der Potsdamer Kulturlandschaft - trotz mancher Zerstörung - noch erhalten. Im vergangenen Jahr wurden Erweiterungsflächen "nachnominiert". Sie grenzen an den Park von Sanssouci, den Neuen Garten, den Park Babelsberg und den Schlosspark Sacrow an. Nach Unesco-Angaben sind die Erweiterungsflächen auf Grund der besonderen politischen Verhältnisse nicht Gegenstand des Erstantrages 1989/90 gewesen - zum Beispiel, weil sie damals noch von sowjetischen Truppen genutzt wurden oder Eigentums- und Nutzungsfragen offen waren. Nach inoffiziellen Angaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg waren bestimmte Gebiete zunächst "schlicht vergessen" worden. So stehen heute auch die Kolonie Alexandrowka und der Kaiserbahnhof auf der Weltkulturerbeliste. Sie waren 1990 noch nicht dabei. Der Kaiserbahnhof würde angesichts seines schlechten Erhaltungszustandes indessen auch auf einer zweiten Unesco-Liste seinen Platz finden: auf der roten Liste des Welterbes. Hier werden die Stätten verzeichnet, die durch Verfall, die Einwirkung von Krieg, Naturkatastrophen oder durch Bauprojekte bedroht sind.

Die auf den Unesco-Kulturerbelisten verzeichneten Denkmäler und Stätten stehen unter dem Schutz der Internationalen Konvention für das Kultur- und Naturerbe der Menschheit. Die Bundesrepublik ist hier derzeit mit 24 Stätten präsent, darunter der Kölner Dom, die Hansestadt Lübeck, die Wartburg - und die Berliner Museumsinsel. Praktische Folgen hat die Verzeichnung nach Angaben von Stiftungskonservator Gabriele Horn (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg) nicht. "Es sind keine Sonderzuwendungen damit verbunden, aber es ist eine Ehre, auf der Weltkulturerbeliste zu stehen", sagt Horn. Und wie verbindet sich diese Ehre mit dem bedauernswerten Zustand des Kaiserbahnhofes? "Das Welterbe hat nichts mit Eigentumsverhältnissen zu tun", bedauert Horn. Hier seien die Denkmalschutzbehörden gefragt. Die Kulturlandschaft rund um den Park Sanssouci mit ihren 500 Hektar (ohne Erweiterungsflächen) ist nach Angaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg "das größte Welterbeflächendenkmal in Deutschland". Es steht auf der Unesco-Liste, weil es einen "universellen Wert" besitzt.

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