Boxen : Wichtigste Kulturzentren in Potsdam vor dem Aus

Im Waschhaus und im Lindenpark tanzte die Jugend Jetzt müssen beide Häuser Insolvenz anmelden

Dirk Becker

Potsdam - Potsdams Jugend verliert seine Veranstaltungshäuser. Mit den überschuldeten Vereinen Waschhaus und Lindenpark sind in Potsdam die beiden größten Zentren für Musikkonzerte, Diskoabende und Soziokultur in ihrer Existenz bedroht. Nachdem der Vorstand des Lindenpark e.V. vor zwei Wochen beim Amtsgericht Potsdam einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, muss das Waschhaus jetzt denselben Weg gehen. Gestern kündigten Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) an, dass die Förderung für den Verein zum 1. August eingestellt wird.

„Wir können gar nicht anders, als die Förderung einzustellen“, sagte Wanka. Eine Prüfung der Haushaltsführung im Waschhaus e.V. habe ergeben, dass dem Verein schon im Jahr 2004 durch das Finanzamt die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde, weil er zwei Jahre zuvor zwei gewinnorientierte GmbHs gegründet hatte. Darüber habe der Vorstand nicht die Stadt und das Land informiert. Auf über 300 000 Euro belief sich die jährliche Förderung. Welche rechtlichen Konsequenzen gezogen werden und ob Rückforderungen auf den Verein zukommen, müsse geprüft werden. Ob der Veranstaltungsbetrieb im Waschhaus weiterlaufen kann, ist laut Jakobs offen. „Einen Leerstand wollen wir vermeiden.“

Ob Konzerte, Festivals, Partys oder Open-Air-Kino – Waschhaus und Lindenpark sind die ersten Adressen für junge Leute in Potsdam. Dass die beiden Vereine Probleme haben, ist jedoch kein Geheimnis. Schon Ende 2005 wurde bekannt, dass der Lindenpark im Stadtteil Babelsberg Schulden in Höhe von über einer Million Euro angesammelt hatte. Eine neue Geschäftsführung konnte seit 2005 zwar erreichen, dass der Verein keine weiteren Schulden machte. Doch vor zwei Wochen scheiterten die monatelangen Verhandlungen mit einer Bank über einen Sanierungskredit. Dem zahlungsunfähigen Verein mit 25 Mitarbeitern blieb keine Wahl: Der Vorstand beantragte das Insolvenzverfahren.

Anfang dieses Jahres wurde dann bekannt, dass auch das Waschhaus in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Von Schulden in sechsstelliger Höhe ist die Rede. Geschäftsführer Michael Wegener wurde von seinen Aufgaben entbunden, Stadt und Land sperrten für drei Monate die Förderung. Mit dem vor 15 Jahren gegründeten Waschhaus trifft es nun einen Verein auf Potsdams Kulturvorzeigestandort in der Schiffbauergasse, wo neben dem Hans-Otto-Theater auch zahlreiche freie Vereine ihr Domizil haben. Katja Dietrich-Kröck vom neuen Waschhaus-Vorstand sagt, seit Mitte 2006 habe der Verein mit Sanierungsarbeiten am Standort Schiffbauergasse und den damit verbundenen Umzügen zu kämpfen gehabt. Gewinnbringende Veranstaltungen hätten eingestellt werden müssen. Dirk Becker

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