Boxen : Wie ein Alptraum, der wiederkehrt

WERNER VAN BEBBER

In Seebeck sind weiter Angst und Unruhe zu spüren / Warten auf Gen-TestsVON WERNER VAN BEBBER SEEBECK.Es ist wie ein Alptraum, der wiederkehrt: Im brandenburgischen Seebeck wird - wieder - ein Sexualtäter gesucht.Drei Wochen lang schien es, als sei der Mord an der achtjährigen Anne-Katrin W.aufgeklärt - so weit jedenfalls, daß die Seebecker bei aller Trauer aufatmen konnten.Der 13jährige Martin S., ein Junge aus dem Dorf, hatte gestanden, das Mädchen am 9.Juni erschlagen zu haben.Nicht gestanden hatte er, sich an dem Mädchen vergangen zu haben.Unklar blieb, von wem die Spermaspur kam, die die Gerichtsmediziner an dem Mädchen gefunden hatten.Ein schreckliches Detail, von dem mancher gedacht hat, daß der 13jährige es klären werde.Seit Freitag aber ist bekannt, daß die Spermaspur nicht zu Martin S.führt.Seit dem Sonnabend, an dem die Seebecker Männer und auch die, die im Ort arbeiten, das Ergebnis der DNA-Analyse in den Zeitungen lesen konnten, ist die Unruhe wieder da. Denn einer von ihnen, ein Junge oder ein Erwachsener, muß dabei gewesen sein, als Martin S.die Achtjährige mit einem Stein erschlug.Und der, der dabei war, dürfte derjenige sein, von dem die Spermaspur stammt.Das ist die Theorie, mit der die Ermittler nun die Untersuchung fortsetzen. An Haus der Gemeindeversammlung ist ein Dankschreiben des Oranienburger Polizeipräsidenten Kirmße an die Bürgermeisterin ausgehängt: "Trotz der enormen Belastung, denen Sie und Ihre Gemeinde ausgesetzt waren, hatten Sie immer ein offenes Ohr für Belange unserer Arbeit." Das "waren" war voreilig.90 Seebecker und Männer aus der Umgebung hatten im Juni Speichel- und Blutproben zur Herstellung eines genetischen Fingerabdrucks abgegeben.20 Proben sind dem leitenden Oberstaatsanwalt Gerd Schittcher zufolge untersucht.Nun sollen die übrigen folgen, was laut Uwe Konzack von der Oranienburger Polizei Wochen dauern wird. Verdächtigungen, Spekulationen, Angst um die eigenen Kinder - das alles holt die Seebecker wieder ein, und kaum jemand will darüber sprechen.Unsicherheit ist spürbar: "Sagen kann man wenig", sagt Pastor Herbert Schulze.Ein Mitarbeiter der Agrargenossenschaft, deren Chef Dieter Brauch die freiwillige Probenablieferung im Juni organisiert hatte, sagt nun, daß es "ein bißchen zweideutig" gewesen sei, was die Staatsanwälte nach dem Geständnis von Martin S.bekanntgeben hatten.Unruhe, Sorge sind da noch nach Wochen herauszuhören.Wie auch bei dem Gerüstbauer aus dem Nachbarort Strubensee, der sagt, daß er seine Probe längst abgegeben habe, das Ganze aber "nicht erledigt sei". Woran die Seebecker Männer an diesem Montag weniger durch Polizisten als durch ein Privatfernsehteam erinnert werden.Nach dem Geständnis von Martin S.wirkten die meisten Seebecker bei aller Trauer um das Mädchen aus dem Dorf fast erleichtert, weil einer gestanden hatte.Nun aber mag kaum noch jemand mit Fremden reden, mit Fernsehjournalisten schon gar nicht.Noch ist nicht klar, wie die 40 oder 50 Jungen und Männer, die noch keine DNA-Proben abgegeben haben, dazu bewegt werden sollen.So viele sind es, die untersucht werden müssen, um den mutmaßlichen Mittäter finden zu können.Die Ermittler erwarten, wie einer sagt, einen gewissen "sozialen Druck" auf die, die keine DNA-Proben abgeliefert haben.Nicht ausgeschlossen bleib, daß die die Spermaspur an dem toten Mädchen in keinem Zusammenhang mit dem Totschlag steht.Dann würde der Tod des achtjährigen Mädchens erst recht zu einem grauenhaften Rätsel.

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