Boxen : Wischnath droht der Kirche mit Gericht

Der Cottbuser Superintendent wehrt sich im Stasi-Streit gegen Aussagen von Geistlichen und Historikern

Robert Ide

Potsdam. Der Stasi-Streit in der Kirche könnte ein Fall für die weltliche Justiz werden. Der Cottbuser Generalsuperintendent Rolf Wischnath, der in den Verdacht geraten war, ein West-IM der DDR-Staatssicherheit gewesen zu sein, wies am Dienstag alle Vorwürfe zurück und drohte Kirchenoberen und Historikern: „Ich werde prüfen, ob ich gegen die Vorwürfe vor ein Gericht ziehe.“

Wischnath beklagte am Dienstag in Potsdam das Verhalten der Führung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, die hinter seinem Rücken Nachforschungen über seine Vergangenheit angestellt habe. „Bei den Recherchen wurde nie von der Unschuldsvermutung ausgegangen“, sagte Wischnath. Dies betreffe vor allem Konsistorialpräsident Uwe Runge, der Erkundungen über ihn beim Verfassungsschutz eingeholt habe. „Wenn sich ein Straftatbestand ergibt, werde ich gegen Herrn Runge gerichtlich vorgehen."

Runge hatte am Montag öffentlich erklärt, dass der Verfassungsschutz ihm die Auskunft gegeben habe, dass Wischnath von der Stasi als „IM Theologe“ registriert worden sei. Auch der Historiker Hubertus Knabe hatte gesagt, er habe diese Übereinstimmung in den Akten „mit eigenen Augen“ gesehen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, da die Datei mit den Klarnamen der Stasi-Westagenten dem Geheimnisschutz unterliegt. Wischnath bestritt am Dienstag erneut, als „IM Theologe“ tätig gewesen zu sein. Er drohte an: „Ich werde Herrn Knabe verklagen. Seine Aussagen sind unseriös.“

Erstmals nahm Wischnath Stellung zu den am Montag bekannt gewordenen Dateien der Stasi-Westspionage. In den Dateien, aus denen der Tagesspiegel zitiert hatte, wurden unter „IM Theologe“ sechs Berichte gespeichert, die sich etwa mit der SPD in Nordrhein-Westfalen und mit Interna aus der Kirche beschäftigten. Einem der Berichte lag ein 45-seitiges Dokument bei. Wischnath, der sich erneut damit verteidigte, von der Stasi abgeschöpft worden zu sein, sagte dazu: „Bei dem Dokument handelt es sich um eine Broschüre der Friedrich-Ebert-Stiftung über einen Vergleich zwischen DDR und BRD.“ Diese Broschüre habe er bei einem seiner Besuche in der DDR mitgehabt. Wischnath gab Kontakte zur Stasi zu. „Ich war eine Person mit vielen Kontakten, sicher auch zum Ministerium für Staatssicherheit. Aber das heißt nicht, dass ich für die Stasi gearbeitet habe.“

Trotz der neuen Vorwürfe signalisierte Wischnath Gesprächsbereitschaft, um den Streit innerhalb der Kirche beizulegen. Wischnath will am Freitag mit der Kirchenleitung reden. Zu Bischof Huber, der Wischnath öffentlich eine inakzeptable Verweigerungshaltung vorgeworfen hatte, habe er weiterhin Vertrauen. „Herr Huber ist immer noch mein Bischof, Freund und Bruder.“

Huber schrieb am Dienstag in einem Brief an die Gemeinden, Wischnaths Vorwürfe seien falsch: „Sie schaden der Kirche sehr.“

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