Boxen : Wo Brandenburgs Bischöfe beteten

Zu Ostern kann erstmals die restaurierte Burg Ziesar mit ihren kostbaren Wandmalereien besichtigt werden

Helmut Caspar

Ziesar - Sie ist eines der bedeutendsten Zeugnisse des Christentums in der Mark – und kann zu Ostern erstmalig wieder besichtigt werden: die mittelalterliche Burg der Bischöfe von Brandenburg in Ziesar. Spezialisten stehen bereit, um den Besuchern die Geschichte des in den vergangenen Jahren von störenden Einbauten und entstellenden Übermalungen befreiten Gebäudes zu erklären. Der Raumeindruck wird überwältigend sein, verspricht Clemens Bergstedt, der Kurator der Ausstellung „Wege in die Himmelsstadt. Bischof – Glaube – Herrschaft 800 bis 1550“, die Pfingsten in der Burg eröffnet wird. Nur jetzt werde man die Burg „pur“ sehen können, ohne die Vitrinen, Schautafeln, Videoinstallationen der Ausstellung, die über die vor mehr als tausend Jahren begonnene, oft mit Gewalt durchgeführte Christianisierung Brandenburgs informieren wird.

Burg Ziesar war schon im Mittelalter eine ewige Baustelle. Mal wurden die Räume vergrößert, mal verkleinert. Wandmalereien wurden aufgetragen und wieder entfernt, Türen und Fenster eingebaut oder zugemauert. Doch ungeachtet mancher Missnutzung und Zweckentfremdung – schon nach der Reformation von 1539 als kurfürstliches Amt, zuletzt in der DDR als Internat – und damit verbundener Verluste an historischer Substanz zeigt sich die Burg weitgehend authentisch. Bauleute und Restauratoren haben jene mittelalterlichen Schichten freigelegt, die Auskunft über die bischöfliche Residenz an der wichtigen Handelsstraße von Brandenburg/Havel nach Magdeburg von der Mitte des 14. bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts geben und über die Beziehungen der hier residierenden geistlichen Reichsfürsten zu den Mächtigen ihrer Zeit, angefangen mit Papst und Kaiser.

Nach der Beseitigung von Zwischenwänden können die bischöflichen Repräsentations- und Wohnräume nun in ihrer ursprünglichen Größe erlebt werden. Auch die raffinierte Fußbodenheizung, die vom Keller aus befeuert wurde, kann besichtigt werden. Ebenfalls im Keller gab es auch ein dunkles Burggefängnis. Hierher kamen geistliche Herren, wenn sie gegen Gesetze oder Gebote verstoßen haben.

Wie Clemens Bergstedt sagt, waren die Burgbewohner ungeachtet heiliger Gelübde dem Weltlichen nicht abgeneigt. Nicht umsonst hatten sich die Bischöfe von der Dominsel zu Brandenburg nach Ziesar zurückgezogen: Man wollte wohl unter sich bleiben. Dass man auf der Burg gut zu speisen und zu trinken wusste, haben Archäologen aus Funden in Abfallgruben herausgelesen. Keramiken, Knochen und Glasfragmente deuten auf Gelage, von denen die Bauern außerhalb der Burgmauern nicht zu träumen wagten.

Zu den bedeutendsten Schätzen der Burg aber zählen die spätmittelalterlichen Ausmalungen: Ornamente, Blattwerk, Gesichter, Szenen aus der Bibel. Von Restaurator Wilfried Sitte freigelegt, zeigen sie bunte, vielgestaltige Dekorationen in den herrschaftlichen Räumen, in der Kirche und den Kapellen. Manche verfolgen ein rein illusionistisches Ziel: Wo man keine Wandteppiche hatte, wurden welche gemalt. Die in nahezu alter Schönheit wiederhergestellte Burgkapelle ist als Himmelslaube gestaltet. Blätter und Zweige ziehen sich über die Wände und Decken: eine Ahnung vom Paradies. Anderswo wieder sieht man auch fratzenhafte Gesichter, die Dämonen abschrecken sollten.

Und in einer Nische gleich beim Altar zieht das wohl schönste Bild der Burg, die Madonna mit dem Christuskind, die Blicke auf sich. Sie steht auf einer Mondsichel und ist von Strahlen umflammt. Die kostbare Wandmalerei ist so gut erhalten, dass man das liebliche Gesicht der Muttergottes noch gut erkennen kann.

Burg Ziesar kann von Ostersonnabend bis Ostermontag jeweils von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Jeweils um 12 und um 14 Uhr werden Führungen angeboten. Ziesar liegt nahe der Autobahn 2 Richtung Magdeburg kurz vor der Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Informationen zur Burg und Stadt Ziesar, zu der Ausstellung ab Pfingsten und über weitere Veranstaltungen unter Telefon 033830/654101 oder im Internet unter www.ziesar.de oder www.kulturland-brandenburg.de

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