Boxen : Wo das Unrecht sichtbar war

Holger Wild

Pennen wie bei Mielkes Stasi-Schergen, zum Frühstück Wasser und Brot? Nein, wenn der Investor, der das Cottbuser Gefängnis zu einem Hostel umbauen will, tatsächlich auf solche Art mit dem Leiden politischer Gefangener des DDR-Regimes Schindluder treiben wollte, müsste man ihm gehörig auf die Finger klopfen. Im Knast zu sitzen ist und war nie ein Spaß; noch viel weniger unter den Bedingungen, die sich die DDR-Justiz für ihre „feindlich-negativen Elemente“ ausdachte. Ein frivoles Spiel mit dem Grusel wäre da tatsächlich eine Verhöhnung der Opfer.

Gegen ein einfaches preisgünstiges Hotel aber, dessen Zimmer in nichts mehr an ihre frühere Funktion an Zellen erinnern, ist nichts einzuwenden. Nicht alles, was einmal von Unmenschen missbraucht worden ist, muss deshalb in Ewigkeit für eine zivilisierte Nutzung gesperrt bleiben. Dazu gehört dann allerdings auch, dass die Geschichte nicht zur Gänze übertüncht wird. Der jeweilige Ort bleibt ja doch immer auch der, der er in jeder seiner Vergangenheiten war. Daran kann, daran muss auch erinnert werden – und das sollten die Cottbuser Stadtverordneten zur Bedingung machen, bevor sie die Pläne des Investors genehmigen: Dass ein Teil des ehemaligen Gefängnisses als solches bewahrt bleibt und nicht nur Hotelbesucher dort über dessen Rolle im Unterdrückungssystem des real existierenden Sozialismus informiert werden.

Cottbus würde damit auch Zeichen setzen über die Stadtgrenzen hinaus. Denn so wahr es ist, dass die DDR ein grimmiger Polizeistaat war, so wenig wird heute in Brandenburg daran erinnert. Es gibt Stasiunterlagen und Stasiunterlagenbeauftragte, aber kaum Orte, die das Unrecht manifestieren, weil es sich dort vollzog. Der Cottbuser Gefängnis jedoch ist so ein Ort.

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